{"id":118,"date":"2006-12-06T12:55:23","date_gmt":"2006-12-06T11:55:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=118"},"modified":"2006-12-13T16:09:16","modified_gmt":"2006-12-13T15:09:16","slug":"ostwald-und-die-brucke-in-den-nachrichten-aus-der-chemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/history-of-information-systems\/ostwald-und-die-brucke-in-den-nachrichten-aus-der-chemie\/","title":{"rendered":"Ostwald und die Br&uuml;cke in den Nachrichten aus der Chemie!"},"content":{"rendered":"<p>Ein Nachtrag:<\/p>\n<p>In <a href=\"http:\/\/www.gdch.de\/taetigkeiten\/nch\/jg2006\/h06_06.htm\"> Heft 06\/2006 der Nachrichten aus der Chemie<\/a> wurde ein Aufsatz von Horst Remane mit dem Titel Wilhelm Ostwald und die \u00e2\u20ac\u017eOrganisation der geistigen Arbeit\u00e2\u20ac\u0153publiziert.<\/p>\n<blockquote><p>Kurz nach der Verleihung des Nobelpreises f\u00c3\u00bcr Chemie hat Wilhelm Ostwald mit dem \u00e2\u20ac\u017eBr\u00c3\u00bccke-Institut\u00e2\u20ac\u0153 und Ans&auml;tzen wie \u00e2\u20ac\u017eWeltformat\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eWeltregistratur\u00e2\u20ac\u0153 versucht, Standardisierung, Archivierung und Weitergabe menschlichen Wissens voranzutreiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im gleichen Heft erschien auch ein kleiner Beitrag von mir mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.tu-harburg.de\/b\/hapke\/nachchem2006.pdf\">&#8222;Helfer im Informationsdschungel&#8220; (Nachrichten aus der Chemie 54(2006)719-720)<\/a>.<\/p>\n<p>Das Zusammentreffen dieser beiden Artikel veranlasste mich zu einem Leserbrief, der in einem der n&auml;chsten Hefte auch publiziert wurde:<\/p>\n<blockquote><p>Leserbrief f&uuml;r die Abteilung &#8222;Korrespondenz&#8220; der Nachrichten aus der Chemie<\/p>\n<p>Das mein Beitrag zum Alltag eines Informationsspezialisten in einer Universit&auml;tsbibliothek im gleichen Heft wie der informative Bericht von Horst Remane \u00c3\u00bcber Wilhelm Ostwald und die &#8222;Br&uuml;cke&#8220; [Nachr. Chem 2006, 54, 645] erschien, hat durchaus symbolischen Charakter, hat doch Ostwald schon 1909 erkannt, dass es immer notwendiger sei, &#8222;den Nachrichtendienst in der Wissenschaft &#8230; so auszubilden, dass er von besonders geschickten, weil in solchen Arbeiten ge&uuml;bten Mitarbeitern geleistet wird.&#8220; [Energet. Grundlg. d. Kulturwiss., S. 175]<\/p>\n<p>Zu wenig findet f&uuml;r mich in Remanes Beitrag Ber&uuml;cksichtigung, dass Ostwalds Ideen auch Vorl&auml;ufer hatten und gleichzeitig Teil einer Art bibliographischer oder Dokumentationsbewegung waren, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund des gewaltigen Literaturwachstums besonders in den naturwissenschaftlich-technischen F&auml;chern ausbildete [siehe zum folgenden T. Hapke: Ordnung, Fragmentierung und Popularisierung: Wilhelm Ostwald zur wissenschaftlichen Information und Kommunikation. S. 63-78. In: Wissenschaftstheorie und -organisation : Vortr&auml;ge zu dem Symposium anl&auml;sslich des 150. Geburtstages. Gro\u00c3\u0178bothen, Mitteilungen der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft, Sonderheft 19, 2004].<\/p>\n<p>So gr&uuml;ndete der Belgier Paul Otlet 1895 in Br&uuml;ssel ein Institut International de Bibliographie, um alles Gedruckte auf Karteikarten bibliographisch zu erfassen. Br\u00c3\u00bccke-Mitbegr&uuml;nder Karl W. B&uuml;hrer initiierte 1905 eine Internationale Monogesellschaft. Diese stellte sogenannte Monos her, kleine Karten in standardisiertem Format, eine Art Reklame-Bildchen &#8211; sicher ein eher am&uuml;santes Detail. Im gleichen Jahr hatte Hermann Beck in Berlin ein Internationales Institut f&uuml;r Techno-Bibliographie ins Leben gerufen. In den zwanziger und dreissiger Jahren arbeitete das von Jean G\u00c3\u00a9rard mitbegr&uuml;ndete &#8222;Maison de la Chimie&#8220; in Paris als eine Art franz&ouml;sische Br&uuml;cke der Chemie. Schon 1914 hatte Ostwald seine Idee eines Internationalen Instituts der Chemie in der Zeitschrift Science weltweit bekanntgemacht.<\/p>\n<p>Eine kulturgeschichtliche Einordnung  solcher Weltprojekte lieferte gerade der Medienhistoriker Markus Krajewski [Restlosigkeit : Weltprojekte um 1900. Fischer, 2006], der sich auch intensiv mit Ostwald auseinandersetzt. <\/p>\n<p>Ein weiteres wenig bekanntes Detail in der Geschichte des modernen Informationswesens stellt die Tatsache dar, dass einer der Doktoranten in Ostwalds Institut in Leipzig, der  Photochemiker und Erfinder Emanuel Goldberg, schon im Jahre 1931 eine &#8222;Statistische Maschine&#8220; genannte Dokumenten-Suchmaschine vorstellte, bei der auf einem Mikrofilm gespeicherte Dokumente mit Hilfe einer photoelektrischen Zelle und definierten Such-Codes gesucht und gefunden werden konnten [dazu Michael Buckland: Emanuel Goldberg and his knowledge machine : information, invention, and political forces. Libraries Unlimited, 2006].<\/p>\n<p>Weitere Links zur Geschichte wissenschaftlicher Information und Kommunikation bietet die Webseite <a href=\"www.tu-harburg.de\/b\/hapke\/infohist.htm\">www.tu-harburg.de\/b\/hapke\/infohist.htm<\/a><\/p>\n<p>Thomas Hapke, L&uuml;neburg<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Nachtrag: In Heft 06\/2006 der Nachrichten aus der Chemie wurde ein Aufsatz von Horst Remane mit dem Titel Wilhelm Ostwald und die \u00e2\u20ac\u017eOrganisation der geistigen Arbeit\u00e2\u20ac\u0153publiziert. 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