{"id":1778,"date":"2013-05-03T08:26:20","date_gmt":"2013-05-03T07:26:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=1778"},"modified":"2013-05-02T20:44:01","modified_gmt":"2013-05-02T19:44:01","slug":"bibliothek-2-0-und-bibliotheksentwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/bibliothek-2-0-und-bibliotheksentwicklung\/","title":{"rendered":"Bibliothek 2.0 und Bibliotheksentwicklung"},"content":{"rendered":"<p>Schweizer Kollegen publizieren eine neue ambitionierte Zeitschrift mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/www.0277.ch\">027.7 Zeitschrift f\u00fcr Bibliothekskultur \/ Journal for Library Culture<\/a>&quot;. Bei mir ist der Untertitel Bibliothekskultur besonders gut angekommen, da ich ja auch gerne von <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?s=informationskultur&#038;submit=Suchen\">Informationskultur<\/a> rede. \ud83d\ude0e Au&szlig;erdem habe ich gerade einen Aufsatz f&uuml;r eine amerikanische Bibliotheks-Zeitschrift &uuml;ber einen der ersten F&ouml;rderer der Dezimalklassifikation in Deutschland geschrieben, der in seinen Briefen an Mitstreiter DK-Notationen als Ersatz f&uuml;r manche Worte verwendet, wodurch mich der Titel der Zeitschrift zus&auml;tzlich angesprochen hat. <\/p>\n<p>Mein Hamburger Kollege Werner Tannhof, der im <a href=\"http:\/\/wp.ub.hsu-hh.de\/author\/wtannhof\/\">Blog der Universit&auml;tsbibliothek der Helmut-Schmidt-Universit&auml;t<\/a> immer wieder interessante Beitr&auml;ge publiziert, hat zudem einen Artikel mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/www.0277.ch\/ojs\/index.php\/cdrs_0277\/article\/view\/10\">Das deutsche wissenschaftliche Bibliothekswesen jenseits der Bibliothek 2.0 \u2013 Zukunft jetzt gestalten<\/a>&quot; beigesteuert. Da Werner Tannhof mich im Vorfeld des Artikels nach meiner Sicht gefragt hat, wie die Bewegung zur Bibliothek 2.0 die Bibliotheksentwicklung in Deutschland gepr&auml;gt habe, erlaube ich mir hier noch ein paar Anmerkungen.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Existenz eines wirklichen Mehrwertes von Bibliothek-2.0-Aktivit&auml;ten f&uuml;r die Nutzenden von Bibliotheken ist sicher schwierig zu messen. So kann man auch f&uuml;r das Blog der TUHH-Bibliothek fragen, wieweit dessen Inhalt wahrgenommen werden &#8211; gef&uuml;hlt manchmal eher weniger! Trotzdem ist es ein wichtiges Instrument des Marketing von Neuigkeiten. Als Bibliothek hat die TU-Bibliothek beim Thema Web 2.0 wahrscheinlich auch die Entwicklung der Universit\u00e4t in Richtung Social Media mit beeinflusst. Die TUHH als Institution Universit&auml;t f&auml;ngt erst seit letztem Jahr in diesem Bereich vermehrt Aktivit&auml;ten an!<\/li>\n<li>Bei vielen Aktivit&auml;ten von Bibliotheken im Bereich IT sind Bibliotheken oft Early-Adopter! Und dies gilt teilweise auch f&uuml;r das Thema Web 2.0! So z.B. auch beim eLearning, wo an der TUHH auch die Bibliothek mit eine treibende Kraft war, Lernmanagement-Systeme &#8211; und besonders als Open Source Variante &#8211; einzuf&uuml;hren. Die von <a href=\"http:\/\/wp.ub.hsu-hh.de\/2997\/vom-scheitern-der-wissenschaftlichen-bibliotheken-50-jahre-bibliotheksgeschichte\/\">Werner Tannhof in einem Blog-Artikel<\/a> zitierten <a href=\"http:\/\/www.infotoday.com\/searcher\/apr12\/Coffman--The-Decline-and-Fall-of-the-Library-Empire.shtml\">Thesen zum Scheitern wissenschaftlicher Bibliotheken von Steve Coffman<\/a> finde ich zu kritisch. Innovationen brauchen auch Freir&auml;ume und ein Aus- und Rumprobieren und kein sofortiges Schielen auf Nachhaltigkeit! Man kann das auch alles anders verkaufen als Coffmann, Bibliotheken sind und waren immer am Puls der Zeit, so beim Erstellen von Webverzeichnissen und bei den Informationsvermittlungsstellen &#8211; Bibliotheken sind damit aber auch immer Teil der allgemeinen Entwicklung gewesen. Insgesamt ist es sicher auch viel zu fr&uuml;h, um endg&uuml;ltig &uuml;ber Beitr&auml;ge der Library 2.0 Bewegung auf die Bibliotheksentwicklung zu sprechen! Spannend und ein positives Beispiel ist &uuml;brigens hier auch das <a href=\"http:\/\/blogs.tib-hannover.de\/tib\/2012\/12\/20\/forscherinnen-gemeinsam-neue-wege-im-web-eroeffnen-das-open-science-lab-der-tib-hannover\/\">Open Science Lab der TIB Hannover<\/a>.<\/li>\n<li>Das Thema Informationskompetenz profitierte f&uuml;r mich von Bibliothek-2.0-Aktivit&auml;ten dadurch, dass das <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/information-culture-and-different-views-on-information-literacy\">Eigentliche oder der Kern von Informationskompetenz<\/a> sch&auml;rfer gefasst werden kann. Der st&auml;ndige Wandel der Informationstechnologie wirft eben die Frage auf, welche F&auml;higkeiten und Eigenschaften des Individuums im Bereich Informationskompetenz wichtig bleiben. <a href=\"http: \/\/biblionik.de\/2010\/09\/08\/vermittlung-von-informationskompetenz-vier-thesen-fur-die-zeit-danach\">Lambert Heller sieht Informationskompetenz-F&ouml;rderung<\/a> als Teil eines ver&auml;nderten Bibliotheksmarketing, in dem alle in Bibliotheken Arbeitenden ihre eigene Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen &ouml;ffentlich (beispielsweise in Blogs) darstellen und wirklich selbst Erfahrungen im Web 2.0 sammeln. Nur durch f&uuml;r Interaktion auf Augenh&ouml;he und Mitagieren in virtuellen Gemeinschaften sei es ohne p\u00e4dagogischen Duktus und in informellem Rahmen m&ouml;glich, durch Authentizit&auml;t, Aufbau von Reputation und N&auml;he zur jeweiligen Gemeinschaft die Entwicklung von Informationskompetenz bei deren potentiellen Mitgliedern zu f&ouml;rdern und gleichzeitig die Reputation der Einrichtung Bibliothek zu erh&ouml;hen. Das heisst auch Mitforschen und Mitpublizieren, um aufgrund eigener Erfahrungen Beratung und <a href=\"http:\/\/www.tub.tu-harburg.de\/publizieren\/\">Publikationsunterst&uuml;tzung<\/a> geben zu k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Dass das Thema Lernort f&uuml;r Werner Tannhof zu den gro&szlig;en Herausforderungen von Bibliotheken geh&ouml;rt, ist sicher nicht falsch. Es ist als Thema eigentlich aber eher und auch ein Thema f&uuml;r die Universit&auml;t insgesamt. So gibt es an der TUHH im neuen Hauptgeb&auml;ude studentische Lern- und Gruppenarbeitsr&auml;ume, die nichts mit der Bibliothek zu tun haben. Trotzdem hoffe ich und als TU-Bibliothek arbeiten wir st&auml;ndig daran, dass bei einer Universit&auml;t als Institution eine Bibliothek weiterhin immer mit gedacht wird.<\/li>\n<li>Eindeutig positive Beitr&auml;ge von Bibliothek 2.0 zur allgemeinen Bibliotheksentwicklung sind nat&uuml;rlich die Web 2.0 Kataloge, heute <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/wie-discovery-systeme-meine-informationskompetenz-aktivitaeten-veraendern\/\">Discovery-Systeme<\/a> genannt, <a href=\"http:\/\/www.libereurope.eu\/blog\/thinking-the-unthinkable-a-library-without-a-catalogue-reconsidering-the-future-of-discovery-to\">aber (!!)<\/a> genauso wichtig ist heutzutage die Pflege der Knowledge Base von Link Resolvern &#8211; das ist fast wichtiger als klassische Katalogisierung bzw. das ist Katalogisierung heute!<\/li>\n<li>Ein sehr wichtiger Aspekt von Bibliotheksentwicklung durch Bibliothek 2.0 ist der Einfluss auf die interne Bibliotheksentwicklung. Immer mehr Kolleginnen und Kollegen k&ouml;nnen sich durch Blog-Beitr&auml;ge u.a. an dem beteiligen, was man fr&uuml;her &Ouml;ffentlichkeitsarbeit nannte. Schon lange nutzt die TU-Bibliothek intern ein Wiki, womit  Kommunikationsm&ouml;glichkeiten und Mitarbeiterinnen-Beteiligung geschaffen wurden, die vorher so kaum m&ouml;glich waren! In meiner Bibliothek ist das Wiki neben seiner Funktion zur internen Dokumentation Instrument f&uuml;r die Begleitung von Projekten, Planung von Veranstaltungen und manchmal sogar strategischen Diskussionen. Auch die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r alle in Bibliotheken Arbeitenden auf dem Laufenden zu bleiben, wurden durch Web 2.0 Tools wesentlich erh&ouml;ht. Klar, nicht jeder nimmt dies zu jeder Zeit wahr, mancher vielleicht auch gar nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum Abschluss noch ein paar pers&ouml;nliche Bemerkungen zu Stellen, die mir im Text von Werner Tannhof besonders aufgefallen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Werner Tannhof bezeichnet mich als eine &quot;&#8217;Gallionsfigur&#8216; der deutschen IK-Vermittlungsszene&quot; (S. 6). Ganz abgesehen davon, dass man Informationskompetenz nicht vermitteln sondern nur f&ouml;rdern kann: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Galionsfigur\">In Wikipedia habe ich gelernt, dass Galionsfiguren<\/a> &quot;ein &#8218;lebendes Aush&auml;ngeschild&#8216; eines Vereines oder einer Interessengruppe sind oder eine F&uuml;hrungs- oder Vorreiterfunktion innehaben&quot;. Wenn &uuml;berhaupt dann gilt dies f&uuml;r mich eher im Sinne des ebenfalls bei Wikpedia erw&auml;hnten &quot;Aberglauben[s] von Seeleuten&quot;, also als jemand, der &quot;den Kurs des Schiffes beobachte<del datetime=\"2013-04-30T13:35:08+00:00\">n<\/del>[t] und es vor Ungl&uuml;ck bewahre<del datetime=\"2013-04-30T13:35:08+00:00\">n<\/del>[t]&quot;. \ud83d\ude0e <br \/>&nbsp;<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>&quot;Wie es deutsche Bibliotheksleitungen und die Referenten in den L\u00e4nderministerien zulassen k\u00f6nnen, dass IT-Abteilungen ihrer Kreativit\u00e4t und ihrem Ehrgeiz freien Lauf lassen d\u00fcrfen und nicht zumindest auf regionaler Ebene (wie in Sachsen) gemeinsam entwickeln, wird sich einem Aussenstehenden wohl kaum vermitteln lassen.&quot;(S. 9)<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier frage ich mich, wie Kreativit&auml;t, die in Bibliotheken jetzt und f&uuml;r die Zukunft unabdingbar ist, entstehen soll ohne gewisse individuelle Freir&auml;ume. Die M&ouml;glichkeiten, eigene Ideen umzusetzen und Erfahrungen zu sammeln (nat&uuml;rlich im weiteren Bereich des eigenen Arbeitsumfeldes), ist f&uuml;r mich legitim, und diese m&ouml;chte auch ich selbst nicht missen. Sie f&uuml;hren zumindest aufgrund meiner Erfahrungen an der TU-Bibliothek zu sehr guten Ergebnissen bei der Weiterentwicklung der Bibliothek.<\/p>\n<p>Mangelnde Kreativit&auml;t f&uuml;hrt im deutschen Bibliothekswesen aus meiner Sicht auch dazu, dass bei der &quot;Neuausrichtung &uuml;berregionaler Informationsservices&quot; lieber auf kommerzielle System gesetzt wird, wie die <a href=\"http:\/\/www.uebertext.org\/2013\/04\/mit-der-dfg-und-cib-nach-wordshare-und.html\">von Adrian Pohl in einem Blog-Beitrag diskutierten Entscheidungen zu DFG-Antr&auml;gen<\/a> zeigen.<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>&quot;Dezent wird dabei allerdings von der bibliothekarischen Blogger- und Twitterer-Szene ausser Acht gelassen, dass derartige Aktivit&auml;ten zu nicht geringen Anteilen w&auml;hrend der regul&auml;ren Arbeitszeiten erfolgen und nicht unmittelbar mit den eigentlichen beruflichen Aufgaben, n&auml;mlich dem t&auml;glichen Dienst am &#8218;Kunde K&ouml;nig&#8216; zu tun haben &#8230;&quot; (S. 7)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch diesen Satz kann ich leider nicht ganz nachvollziehen: Laufende Weiter- und Fortbildung geh&ouml;ren unabl&auml;ssig zum beruflichen Alltag dazu und damit auch das Lesen von Blogs und die Nutzung von Twitter. Und zum Verarbeiten von Information ist es immer noch am besten, diese f&uuml;r sich festzuhalten und im Optimum f&uuml;r andere auch zur Verf&uuml;gung zu stellen. Insofern halte ich ein Bloggen und Twittern w&auml;hrend der Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen sogar f&uuml;r notwendig.<\/p>\n<p>Zudem wird die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit immer diffuser, was positiv empfunden werden kann aber nicht muss (!). Denn dies hat auch gro&szlig;e Nachteile. Um diese zu vermeiden, ist Selbstmanagement gefragt, eine Kompetenz, welche zu erlangen nicht immer einfach ist (bei mir jedenfalls ist deren Erlangen immer noch ein laufender Prozess!). <\/p>\n<p>Klar ist es hier denkbar, dass man zu viel Zeit ins Bloggen und Twittern investiert und Anderes vernachl&auml;ssigt. Aber die immer vielf&auml;ltiger werdenden Bed&uuml;rfnisse von Nutzenden verlangen immer gr&ouml;ssere Kompetenzen von in Bibliotheken Arbeitenden, die nur durch st&auml;ndiges Lernen entwickelt werden k&ouml;nnen, und dabei kann auch das Bloggen und das Twittern unterst&uuml;tzen.\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweizer Kollegen publizieren eine neue ambitionierte Zeitschrift mit dem Titel &quot;027.7 Zeitschrift f\u00fcr Bibliothekskultur \/ Journal for Library Culture&quot;. 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