{"id":248,"date":"2009-02-27T09:48:16","date_gmt":"2009-02-27T08:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=248"},"modified":"2015-05-11T11:41:56","modified_gmt":"2015-05-11T10:41:56","slug":"standards-zur-informationskompetenz-werden-zu-wichtig-genommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/standards-zur-informationskompetenz-werden-zu-wichtig-genommen\/","title":{"rendered":"Standards zur Informationskompetenz werden zu wichtig genommen!"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland wird &uuml;ber <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=231\">nationale Standards zur Informationskompetenz<\/a> nachgedacht. Auch auf der <a href=\"http:\/\/www.gbv.de\/wikis\/cls\/AGIK_GBV7\">letzten Sitzung der AG Informationskompetenz des GBV (AGIK GBV)<\/a> war dies ein Thema.<\/p>\n<p>Hiermit fasse ich meine Sicht der Dinge, die auch gepr&auml;gt ist von der Diskussion auf diesem Treffen, zusammen. Vielleicht k&ouml;nnen einige dieser Gesichtspunkte beim weiteren Verfahren ber&uuml;cksichtigt werden, um das Thema wirklich national voranzubringen!? Das Ganze ist jetzt doch etwas viel geworden, hatte sich aber irgendwie bei mir aufgestaut und ich habe meine Einw&auml;nde gegen Standards einfach mal runter geschrieben.<\/p>\n<p>Es gibt einen Vorschlag, eine Kurzform der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.informationskompetenz.de\/regionen\/baden-wuerttemberg\/arbeitsergebnisse\/standards-der-informationskompetenz-fuer-studierende\/\">Standards der Informationskompetenz f&uuml;r Studierende<\/a>&#8220; des Netzwerkes Informationskompetenz Baden-W&uuml;rttemberg (2006) als nationale Standards zu pr&auml;sentieren. Dieser soll auf der <a href=\"http:\/\/www.bibliotheksverband.de\/sektion-4\/fsitzung2009.html\">Fr&uuml;hjahrssitzung der Sektion IV im DBV am 25. und 26.M&auml;rz 2009 in Darmstadt 2009<\/a> vorgestellt werden.<\/p>\n<p>Meine Kritikpunkte im Einzelnen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Mir ist nicht ganz klar geworden, warum diese Standards sich nur auf Studierende beziehen sollen. Die Standards selbst, die ja nicht viel mehr als eine &Uuml;bersetzung\/Anpassung der ACRL Standards darstellen, k&ouml;nnen in dieser Form sicher auch f&uuml;r Sch&uuml;ler und sogar f&uuml;r alle B&uuml;rger als Grundprinzip Lebenslangen Lernens gelten, wenn man diese Standards denn beibehalten wollte.<\/li>\n<li>Warum nimmt man sich nicht die Zeit, die <a href=\"http:\/\/www.ala.org\/ala\/mgrps\/divs\/acrl\/standards\/informationliteracycompetency.cfm\">ACRL Standards<\/a> weiterzuentwickeln und dabei auch andere Bibliotheksformen (z.B. Schulbibliotheken, &Ouml;ffentliche Bibibliotheken) einzubeziehen? Ist nicht eigentlich der DBV insgesamt, vielleicht sogar die BID selbst, der richtige Ort um &uuml;ber &#8222;Nationale Grunds&auml;tze und Kernaussagen zur F&ouml;rderung von Informationskompetenz&#8220; nachzudenken. Gibt es wirklich einen Zeitdruck, das, was jetzt vorliegt, nun schnell zu ver&ouml;ffentlichen?<\/li>\n<li>(So weiss ich auch von einer <a href=\"http:\/\/www.dgd.de\/fachgruppenbildungik.aspx\">Initiative der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI)<\/a>, die das Thema Informationskompetenz im Bildungssektor insgesamt zum Ziel hat und hier bei den Schulen anf&auml;ngt und auch schon eine  <a href=\"http:\/\/www.dgd.de\/Userfiles\/DenkschriftInfokompetenzBildung.pdf\">Denkschrift<\/a> ver&ouml;ffentlicht hat. Kann man sich hier nicht auch abstimmen, auch mit der DBV-Kommission &#8222;Bibliothek und Schule&#8220;? Vielleicht ist dies ja auch passiert!?)<\/li>\n<li>Das Ganze auf nur einer Seite, die eine kurze Pr&auml;ambel sowie dann maximal 5-10 Kernaussagen zur F&ouml;rderung von Informationskompetenz durch Bibliotheken umfasst, dies sollte doch das Ziel eines Papiers sein! Wenn man das Thema denn wirklich als politisch-strategische Positionierung f&uuml;r Bibliotheken sehen will!? Ich f&auml;nde es wichtig, bei der Diskussion um Informationskompetenz jeden Eindruck zu vermeiden, als ob Bibliotheken damit ihre Legitimation steigern wollen!<\/li>\n<li>Ist die F&ouml;rderung von Informationskompetenz wirklich &#8222;eine Kernaufgabe von Bibliotheken&#8220;? Bzw. muss es das wirklich sein?  Als Moderatoren und Initatoren von Lernprozessen, seien sie denn formeller Art (obwohl informelle Lernprozesse immer wichtiger werden!), fungieren ja sicher nicht prim&auml;r die Bibliotheken sondern die Schulen und Hochschulen, wenn es nicht &uuml;ber letztere hinausgeht! Vielleicht reicht es ja auch, wenn Bibliotheken durch die F&ouml;rderung von Informationskompetenz ihre elektronischen und gedruckten Best&auml;nde sowie ihre Dienstleistungen verbreiten und vermarkten? Ich bin mir da immer noch nicht ganz im Klaren, ob es hier eindeutige Antworten gibt.<\/li>\n<li>Grunds&auml;tzlich finde ich diese Standards zu eindimensional. Sie stellen doch eigentlich nur den Versuch verbindlicher Groblernziele dar! Informationsprozesse sind ja Teil jedes komplexeren Lernprozesses sowie Teil jeden beruflichen, wissenschaftlichen und auch allt&auml;glichen Arbeitens. Gleichzeitig ist die Vielfalt und Komplexit&auml;t von Informationsprozessen kaum zu &uuml;berschauen und abh&auml;ngig von pers&ouml;nlichen Dispositionen und Verhaltensweisen, fachlichen und kulturellen Kontexten sowie sozialen, rechtlichen  und wirtschaftlichen Bedingungen. All dies macht eine wirkliche Standardisierung in diesem Bereich kaum m&ouml;glich.<\/li>\n<li>In der amerikanischen Liste ILI-L gab es &uuml;brigens gerade einen <a href=\"http:\/\/lists.ala.org\/wws\/arc\/ili-l\/2009-02\/msg00148.html\">Thread zum Thema &#8222;Alternatives to ACRL IL Competency Standards&#8220;<\/a>. So enthalten die <a href=\"http:\/\/www.anziil.org\/resources\/Info%20lit%202nd%20edition.pdf\">australischen Standards (ANZIL)<\/a> eine Komponente, die aus meiner Sicht in den ACRL Standards fehlt, n&auml;mlich eine kreative Komponente: &#8222;Standard Five: The information literate person [sic!] applies prior and new information to construct new concepts or create new understandings&#8220;. Da sind wir nicht sonderlich informationskompetent (d.h. hier kreativ) in Deutschland, finde ich! \ud83d\ude0e<\/li>\n<li>Beim f&uuml;nften Standard der Baden-W&uuml;rttemberger fehlt f&uuml;r mich bei den Indikatoren das Bewusstsein kultureller Fragestellungen (kommt bei ANZIL vor!), also vielleicht besser: &#8222;&#8230; reflektieren ethische, rechtliche, sozio-&ouml;konomische und kulturelle Fragestellungen beim Umgang mit Informationen&#8220;.<\/li>\n<li>In den Standards vermisse ich auch eine Aussage zum gemeinschaftlichen Erwerben von Wissen und zur Beteiligung an gesellschaftlichen Informations- und Kommunikationsprozessen. Mir gefallen diesbez&uuml;glich z.B. die <a href=\"http:\/\/www.ala.org\/aasl\/standards\/\">&#8222;Standards for the 21st century learner&#8220; der &#8222;American Association of School Librarians&#8220;<\/a> sehr gut.<\/li>\n<li>Affektive und emotionale Aspekte der Informationssuche fehlen in den Standards v&ouml;llig, zum Beispiel das Erleben und Aushalten von Unsicherheit bei Informationsprozessen (Kuhlthau).<\/li>\n<li>Insgesamt gef&auml;llt mir der Terminus &#8222;F&ouml;rderung von Informationskultur&#8220;, gemeint ist hier f&uuml;r mich zun&auml;chst die F&ouml;rderung eines Bewusstseins f&uuml;r einen effizienten, effektiven und kreativen Umgang mit Informationen als Sch&uuml;ler, Studierende, B&uuml;rger, usw., fast besser! Dazu mehr in <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=247\">meinem letzten Blog-Eintrag<\/a>. Dies habe ich hier schon mal ab und zu erw&auml;hnt und ich bin dabei, weiter dar&uuml;ber nachzudenken! \ud83d\ude0e<\/li>\n<li>Mein letzter Kritikpunkt zu &#8222;Standards der Informationskompetenz&#8220; betrifft den Plural von Informationskompetenz! Die ph&auml;nomenographischen Forschung zur Informationskompetenz, die haupts&auml;chlich durch australische Wissenschaftlerinnen wie Christine Bruce und neuerdings Mandy Lupton erfolgte, hat gezeigt, dass es viele unterschiedliche Sichten auf &#8222;information literacy&#8220; gibt!<br \/>\nVgl. auch das <a href=\"http:\/\/www.ics.heacademy.ac.uk\/italics\/vol5iss1.htm\">e-Journal Italics,Jan 2006 &#8211; Volume 5 Issue 1 mit dem Thema: Information literacy: challenges of implementation<\/a> (Hier besonders der erste Aufsatz!). Es gibt also &#8222;information literacies&#8220;, wobei dies noch mehr aufgeweitet wird durch Ver&ouml;ffentlichungen zu &#8222;digital literacies&#8220;, auch hier also der Plural! Zu den &#8218;digital literacies&#8216; geh&ouml;ren information literacy, media literacy, computer literacy, visual literacy, &#8230; Vgl. dazu folgendes Buch: Digital literacies : concepts, policies and practices \/ Colin Lankshear &#038; Michele Knobel, eds. New York, NY: Lang, 2008 (<a href=\"http:\/\/www.webology.ir\/2008\/v5n4\/bookreview18.html\">Review zum Buch<\/a>). Am besten gef&auml;llt mir aber die <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=247\">im letzten Blog-Eintrag<\/a>  zitierte Definition zur Second-Order Literacy von Luke Tredinnick.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland wird &uuml;ber nationale Standards zur Informationskompetenz nachgedacht. Auch auf der letzten Sitzung der AG Informationskompetenz des GBV (AGIK GBV) war dies ein Thema. Hiermit fasse ich meine Sicht der Dinge, die auch gepr&auml;gt ist von der Diskussion auf &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/standards-zur-informationskompetenz-werden-zu-wichtig-genommen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2549,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248\/revisions\/2549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}