{"id":2556,"date":"2015-08-12T15:44:08","date_gmt":"2015-08-12T14:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=2556"},"modified":"2015-08-12T16:34:58","modified_gmt":"2015-08-12T15:34:58","slug":"open-educational-resources-und-bibliotheken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/open-educational-resources-und-bibliotheken\/","title":{"rendered":"Open Educational Resources und Bibliotheken"},"content":{"rendered":"<p>Open Educational Resources (OER) sind &quot;Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz ver&ouml;ffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringf&uuml;gigen Einschr\u00e4nkungen erlaubt\u201c (\u201e<a href=\"http:\/\/www.unesco.de\/fileadmin\/medien\/Dokumente\/Bildung\/DUK_Leitfaden_OER_in_der_Hochschulbildung_2015_barrierefrei.pdf\">Leitfaden zu Open Educational Resources in der Hochschulbildung<\/a>\u201c, hrsg. von der Deutschen UNESCO-Kommission, Bonn 2015, S. 5). <\/p>\n<p>Ein wirklich alle Bereiche von OER betrachtende &quot;<a href=\"http:\/\/www.hochschulforumdigitalisierung.de\/whitepaper-oer\">Whitepaper zu Open Educational Resources (OER) an Hochschulen in Deutschland<\/a>&quot; von Markus Deimann, Jan Neumann und J&auml;ran Muu&szlig;-Merholz fasst den Stand der Diskussion im Fr&uuml;hjahr 2015 zusammen. Der letztere  betreibt auch die <a href=\"http:\/\/open-educational-resources.de\/\">Transferstelle f&uuml;r OER<\/a> mit vielen weiteren Infos zum Thema. Auf politischer Ebene gibt es einen Anfang des Jahres von BMBF und KMK publizierten &quot;<a href=\"http:\/\/open-educational-resources.de\/bmbf-und-kmk-veroeffentlichen-papier-zu-oer\/\">Bericht der Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der L\u00e4nder und des Bundes zu OER<\/a>&quot;. Im Rahmen eines  vom BMBF gef&ouml;rderten Projektes von Wikimedia Deutschland, <a href=\"http:\/\/mapping-oer.de\/2015\/07\/erkunden-sie-oer-mit-uns\/\">Mapping OER<\/a>, sollen folgende zentrale Herausforderungen von OER untersucht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>&quot;Wie kann Qualit&auml;t auch bei offenen und freien Bildungsmaterialien sichergestellt werden?<\/li>\n<li>Welche Arten der Weiterbildung bieten sich an, um Lehrende zum Thema OER zu schulen?<\/li>\n<li>Welche nachhaltigen Finanzierungsmodelle sind in Bezug auf freie Bildungsmaterialien denkbar?<\/li>\n<li>Wie kann die Lizenzierung der Materialien praxisnah gestaltet werden und welche urheberrechtlichen Fallstricke sind zu bedenken?&quot;<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>OER und Bibliotheken<\/strong><\/p>\n<p>OER sind sp&auml;testens seit dem <a href=\"http:\/\/www.degruyter.com\/view\/j\/bd-2013-47-issue-11\/bd-2013-0094\/bd-2013-0094.xml\">Aufsatz von Jan Neumann im Bibliotheksdienst<\/a> auch ein Thema f&uuml;r Bibliotheken (siehe auch das <a href=\"https:\/\/hochschulforumdigitalisierung.de\/blog\/hochschulforum-digitalisierung\/open-educational-resources-bibliotheken-metadaten-oer\">Gespr&auml;ch dazu zwischen J&ouml;ran Muu&szlig;-Merholz und Jan Neumann<\/a>). Auch das oben erw&auml;hnte umfangreiche Whitepaper ber&uuml;cksichtigt das Thema Bibliothken in einem eigenen Teilkapitel (S. 48-50). Sichtbar ist dies auch durch die Vortr&auml;ge von J&uuml;rgen Plieninger (&quot;Was sind Open Educational Resources (OER) und was haben Bibliotheken damit zu tun?&quot;) und Adrian Pohl (&quot;Metadaten f\u00fcr Open Educational Resources (OER) im deutschsprachigen Raum&quot;) auf einer Session zu OER-Metadaten im Rahmen eines <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/DINIAGKIM\/KIM+WS+2015\">Workshops der DINI AG KIM<\/a> (Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten &#8211; KIM) im Fr&uuml;hjahr 2015. J&uuml;rgen Plieninger hat in einem <a href=\"http:\/\/zbiwoer.pbworks.com\/w\/page\/86789107\/FrontPage\">Wiki Material zum Thema OER<\/a> und Bibliotheken gesammelt. Hier findet man z.B. auch &Uuml;berblicke zur Recherche nach OER, vgl. auch eine <a href=\"http:\/\/irights.info\/artikel\/wo-findet-man-freie-unterrichtsmaterialien-15-anlaufstellen-im-netz\/25549\">&Uuml;bersicht auf deutsche Quellen bei iRights.info<\/a> von J&ouml;ran Muu&szlig;-Merholz.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/DINIAGKIM\/OER-Metadaten-Gruppe\">OER-Metadaten-Gruppe vom KIM<\/a> hat &quot;<a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/pages\/viewpage.action?pageId=94678918\">Empfehlungen zur Publikation von OER-Metadaten (Entwurf)<\/a>&quot; gegeben. Schon 2013 wurde ein Papier &quot;<a href=\"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0111-opus-80245\">Metadaten f&uuml;r Open Educational Resources (OER). Eine Handreichung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Hand<\/a>&quot;, erstellt von der Technischen Informationsbibliothek (TIB), publiziert. <\/p>\n<p>Gerade die Frage der Metadaten stellt zur Zeit wohl eine gro&szlig;e Herausforderung dar, da &quot;gro\u00dfe Teile der heute verf\u00fcgbaren OER nur unzureichend mit Metadaten ausgezeichnet sind, die eine Grundvoraussetzung f\u00fcr das Suchen und Finden von OER darstellen.&quot; &quot;Um diesen Missstand zu &uuml;berwinden ist es deshalb erforderlich, OER mit Metadaten auszuzeichnen, wobei ein institutions&uuml;bergreifender einheitlicher Standard verwendet werden sollte. Voraussetzung daf\u00fcr w&auml;re, dass sich ein einheitlicher Standard entwickelt und in der Praxis etabliert. Der Standard sollte den Anforderungen der Praxis gerecht werden und gen&uuml;gend Felder enthalten, um aussagekr&auml;ftig zu sein, aber ansonsten so <strong>schlank [wie irgend m&ouml;glich (Hervorhebung T.H.)]<\/strong> sein, dass potentielle Metadatenredakteure [ich denke da eher an die Autoren selbst!] nicht abgeschreckt werden.&quot; (Whitepaper, S. 49) <\/p>\n<p>Die Erstellung und das Angebot von Open Educational Ressources ist eine Form der Publikation. Publizieren impliziert dabei immer ein gewisses Qualit&auml;tsniveau, einerseits hinsichtlich Inhalt, andererseits aber auch hinsichtlich der technischen Art und Weise des Publizierens. Und hier kommen eben auch Bibliotheken ins Spiel. <!--more-->Denn hier sind unbedingt auch technische Standards f&uuml;r die Nachnutzung einzuhalten. Dazu geh&ouml;ren u.a. die Verwendung von Persistent Identifiers (i.d.R. DOI &#8211; Document Object Identifiers), offene Standards f&uuml;r das Harvesting (z.B. <a href=\"https:\/\/www.openarchives.org\/pmh\/\">OAI-PHM<\/a>, Linked Open Data) sowie Linking-Technologien wie OpenURL. Sinnvoll w&auml;re es im Rahmen eines OER-Projektes zwischen einer Kommunikations-Plattform und an- bzw. eingebundenen Publikations-Plattformen zu unterscheiden. Zus&auml;tzlich sollte betont werden, dass bei der technischen Erstellung und dem technischen Angebot von OER m&ouml;glichst auch nur Open-Source-Werkzeuge verwendet werden sollten. Ein OER in einem nicht offenen Office-Format z.B. ist nicht wirklich offen, es kann n&auml;mlich nur benutzt werden, wenn man die entsprechenden propriet&auml;ren Werkzeuge besitzt.<\/p>\n<p><strong>&Uuml;ber OER hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Wenn in Bibliotheken &uuml;ber OER reflektiert wird, und dies habe ich auch bei mir beobachtet, werden OER eher objekt- bzw. dokumentenorientiert gesehen. OER sind aber auch als Prozesse, als &quot;Open Educational Practices&quot; (OEP), aufzufassen &#8211; vgl. Mayrberger, Kerstin, und Sandra Hofhues. &quot;<a href=\"http:\/\/www.zfhe.at\/index.php\/zfhe\/article\/view\/579\">Akademische Lehre braucht mehr \u201aOpen Educational Practices\u2018 f&uuml;r den Umgang mit \u201aOpen Educational Resources\u2018 &#8211; ein Pl&auml;doyer<\/a>&quot; (Zeitschrift f\u00fcr Hochschulentwicklung 8, Nr. 4, 2013). <\/p>\n<p>Zu den OEP k&ouml;nnte man auch die stark gehypten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massive_Open_Online_Course\">MOOCs (Massive Open Online Courses)<\/a> z&auml;hlen &#8211; mehr dazu im von Rolf Schulmeister herausgegebenen Band &quot;<a href=\"http:\/\/www.waxmann.com\/?id=20&#038;cHash=1&#038;buchnr=2960\">MOOCs \u2013 Massive Open Online Courses : Offene Bildung oder Gesch&auml;ftsmodell?<\/a>&quot; (Waxmann, 2013, PDF-Datei downloadbar!). Zu Informationskompetenz und MOOCs siehe auch die Pr&auml;sentation von Sheila Webber mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/de.slideshare.net\/sheilawebber\/moocs-infolit-librarians-2015\">MOOCs, Information Literacy and the role of the librarian<\/a>&quot;.<\/p>\n<p>In einem viel zitierten Aufsatz mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/www.educause.edu\/ero\/article\/openness-catalyst-educational-reformation\">The Open Future: Openness as Catalyst for an Educational Reformation<\/a>&quot; (EDUCAUSE Review 45, Nr. 4 (Januar 2010): 14-20) hat David Wiley schon 2010 die Rolle von Offenheit f&uuml;r Bildung und Ausbildung beschrieben. Offenheit besteht f&uuml;r Wiley &#8211; tendenziell eher objektorientiert gedacht &#8211; in der M&ouml;glichkeit der &quot;4R&quot; (Reuse, Revise, Remix, Redistribute). Er betont aber auch die Rolle der Offenheit beim Prozess des Lernens, wenn er schreibt (S. 16): &quot;Education is sharing. Education is about being open.&quot; <\/p>\n<p>Und auch der Begriff <a href=\"http:\/\/<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emanzipation\">Emanzipation<\/a> passt hier und dazu auch <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/rancieres-unwissender-lehrmeister-und-informationskompetenz\/\">Ranci&egrave;res Philosophieren &uuml;ber das Unterrichten<\/a>. &quot;Emancipation literally means to give away ownership (ex:away;<br \/>\nmancipum: ownership).&quot; schreibt Gert Biesta in &quot;<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1111\/j.1741-5446.2009.00345.x\">A New Logic of Emancipation: The Methodology of Jacques Ranci&egrave;re<\/a>&quot; (Educational Theory 60, Nr. 1 (1. Februar 2010): 39\u201359, S. 41 &#8211; Nicht Open Access). Der Begriff stammt also aus dem Lateinischen (emancipatio als Zusammensetzung aus e: aus, manus: Hand, capere: nehmen) und bedeutet damit im Wortsinn die Freigabe &quot;aus&quot; dem eigenen Besitz. Und dies ist ja auch das Ziel von Open Access und OER, die also beide die Emanzipation als Ziel jeder Bildung gerade auch im heutigen Sinne unterst&uuml;tzen. \ud83d\ude0e<\/p>\n<p><strong>Zur Hamburg Open Online University<\/strong><\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.fh-koeln.de\/mam\/downloads\/deutsch\/weiterbildung\/zbiw\/allgemein\/jahresbericht_2014.pdf\">Jahresbericht 2014 des nordrhein-westf&auml;lischen Zentrums f&uuml;r Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung (ZBIW)<\/a> widmet sich dem Thema Offenheit und enth&auml;lt auf S. 26-29 einen aktuellen Beitrag von Jan Neumann mit dem Titel &quot;Open Educational Resources (OER) \u2013 Grundlagen und Aufgaben f&uuml;r wissenschaftliche Bibliotheken&quot;. Am Anfang wird hier auch ein Hamburger Projekt erw&auml;hnt, die <a href=\"http:\/\/www.hoou.de\/\">Hamburg Open Online University (HOOU)<\/a>, die der tiefere Grund ist, warum der hier Schreibende in das Thema OER etwas mehr eingestiegen ist. Als Mitwirkender an einer Expertengruppe OER der HOOU f&uuml;r die TUHH sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, als Beobachtender dieses spannenden Projektprozesses den Blick von Bibliotheken auf OER zum Tragen zu bringen und M&ouml;glichkeiten von Bibliotheksdienstleistungen auszuloten. Und wie manche Mitglieder dieser &quot;sogenannten&quot; Expertengruppe bin ich vor allem Lernender beim Thema OER. <\/p>\n<p>Hinter der HOOU, ein durch die Freie und Hansestadt Hamburg gef&ouml;rdertes Kooperationsprojekt aller Hamburger Hochschulen (siehe auch die <a href=\"http:\/\/www.uni-hamburg.de\/elearning\/hoou.html\">Info-Seite zur HOOU der Universit&auml;t Hamburg<\/a>), steckt die Vision einer Universit&auml;t f&uuml;r alle: B&uuml;rgerinnen, B&uuml;rger und Angeh&ouml;rige der Hamburger Hochschulen erforschen und bearbeiten die breite &Ouml;ffentlichkeit interessierende wissenschaftliche Projektthemen (Stichwort &quot;Citizen Science&quot;). Diese Projektthemen k&ouml;nnen auch von jedem selbst in den Pool eingebracht werden. Am Thema Interessierte k&ouml;nnen ihr Thema ausw&auml;hlen und dazu ihre Teilnahme bekunden. Die Forschenden und Lehrenden der Hamburger Hochschulen unterst&uuml;tzen durch ihre Expertise den Lern- und Forschungsprozess der Teilnehmenden an den Lernprojekten. <\/p>\n<p>Wenn gew&uuml;nscht &#8211; so jedenfalls die Vision &#8211; sollen Teilnehmende nach Abschluss des Projektthemas in der HOOU ein Zertifikat erhalten, das bei aktuell Studierenden und bei anderen Personen, die eventuell erst sp&auml;ter studieren wollen, als Studienleistung anerkannt werden kann. Durch offene Lernprozesse sowie qualit&auml;tsgepr&uuml;fte offene Lernressourcen und Publikationen (Open Educational Resources) erfahren Teilnehmende die M&ouml;glichkeiten einer offenen Wissenschaft (&quot;Open Science&quot;) in einer digitalen und nachhaltigen Gesellschaft, die sich nur mit Hilfe von Wissenschaft und Technik weiterentwickeln kann. Nebeneffekt des Projektes soll eine bessere Sichtbarkeit Hamburger Forschung und Lehre in der &Ouml;ffentlichkeit sein. Soweit die Vision, so wie sie von mir verstanden wurde und bis zu der es noch ein sehr weiter Weg sein wird.<\/p>\n<p>Gerade heutzutage erscheint aber &#8211; und auch darum finde ich dieses Projekt wichtig &#8211; ein Nachdenken &uuml;ber Wissenschaft und deren Ver&auml;nderungen durch die digitale Entwicklung immer wichtiger. Aus wissenschaftlich-technischer Sicht betrifft dies Entwicklungen in Richtung einer \u201eOpen Science\u201c, aus (umwelt-)politischer Sicht die Frage, wie eine Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft mit Hilfe von Wissenschaft und Technik gelingen kann. Dies erscheint nur m&ouml;glich, wenn bei B&uuml;rgerInnen und Politikern ein Verst&auml;ndnis f&uuml;r Wissenschaft vorhanden ist &#8211; &uuml;ber deren Kennzeichen und Theorie, deren Sichtbarkeit und Nutzen im Rahmen der gegenw&auml;rtigen Gesellschaft, deren spezifischen Zwecke, Prozesse und Methoden sowie deren sozial-gesellschaftliche Einbettung in die moderne Gesellschaft, und dies alles auf einer Meta-Ebene reflektiert und durch praktische Mitarbeit gewonnen. Vielleicht kann die HOOU, wenn denn die Vision Wirklichkeit werden sollte, dazu etwas beitragen.<\/p>\n<p><strong>OER und Informationskompetenz<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell betont Sandra Hofhues die Notwendigkeit einer didaktischen Sicht noch einmal in ihrem Blog-Beitrag &quot;<a href=\"http:\/\/blog.wikimedia.de\/2015\/07\/27\/freies-wissen-und-wissenschaft-teil-02-offene-bildungsressourcen-oer-an-universitaeten-und-hochschulen-plaedoyer-fuer-eine-didaktische-sicht\/\">Offene Bildungsressourcen (OER) an Universit&auml;ten und Hochschulen: Pl&auml;doyer f&uuml;r eine didaktische Sicht<\/a>&quot;. Besonders gefallen hat mir hier der Hinweis auf die &quot;Leerstelle&quot; Medien- und Informationskompetenzen als zentrale Bedeutung einer Auseinandersetzung mit OER. Umfassen OER Lehrmaterialien und Lernprodukte &#8211; also extra f&uuml;r die Lehre von Lehrenden produzierte OER und von Lernenden eventuell auch mit Unterst&uuml;tzung der Lehrenden selbst erarbeitetes Material &#8211; dann wird die Publikation von OER ein &quot;implizites&quot; Lernprogramm f&uuml;r Lehrende und Lernende zum Umgang mit Urheberrechten im digitalen Zeitalter, was ja auch ein wichtiger Teil von Medien- und Informationskompetenz ist. Und dass es beim Thema Informationskompetenz besonders um eine Reflexion &uuml;ber Praktiken der Wissenschaft geht, wie ich es in meinem <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/was-unter-informationskompetenz-verstanden-wird-veraendert-sich\/\">letzten Blog-Beitrag<\/a> beschreibe, finde ich in folgendem Satz wieder: &#8222;Konstituierend sind daf\u00fcr der Wissenschaft inh&auml;rente Elemente wie Kritik bzw. kritisches Denken, Austausch und Diskurs.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kritisches<\/strong><\/p>\n<p>Vergessen wir aber nicht, dass Offenheit auch kritisch gesehen werden kann. Mercedes Bunz hat dies in einem Blog-Beitrag mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/mercedesbunz.net\/2013\/08\/19\/why-open-isnt-progressive-anymore\/\">Why \u2018open\u2019 isn\u2019t progressive anymore<\/a>&quot; hervorgehoben. Sie verweist insbeosndere auf einen <a href=\"http:\/\/www.ephemerajournal.org\/contribution\/open-source-open-government-critique-open-politics-0\">Aufsatz von Nathaniel Tkacz<\/a>, der 2015 auch ein Buch mit dem Titel &quot;<a href=\"http:\/\/www.press.uchicago.edu\/ucp\/books\/book\/chicago\/W\/bo19085555.html\">Wikipedia and the Politics of Openness<\/a>&quot; publiziert hat.<\/p>\n<p>Eine differenzierte Sicht bietet auch Richard Edwards in seinem Aufsatz &quot;<a href=\"http:\/\/dspace.stir.ac.uk\/handle\/1893\/21592\">Knowledge infrastructures and the inscrutability of openness in education<\/a>&quot;. Hinzuweisen ist auch auf einen Text von Jeremy Knox mit dem Titel &quot;<a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/2651447\/Knox_J._2013_Five_Critiques_of_the_Open_Educational_Resources_Movement._Teaching_in_Higher_Education\">Five Critiques of the Open Educational Resources Movement. Teaching in Higher Education<\/a>&quot; (2013). Eine kritische Sicht auf &quot;Open education&quot; findet man bei Pauline Van Mourik Broekman, Gary Hall, Ted Byfield, Shaun Hides, und Simon Worthington in &quot;Open education: a study in disruption&quot; (London, New York: Rowman &#038; Littlefield International, 2014. <a href=\"http:\/\/disruptivemedia.org.uk\/open-education-book-now-available-open-access\/\">Open Access-Version<\/a>). Auf den Seiten 76 bis 78 finden sich Empfehlungen (&quot;principles&quot;) zu &quot;Open education&quot; im Sinne der Autoren:<\/p>\n<ul>\n<li>Explicitly frame Open Education as social and socialising<\/li>\n<li>Find ways of connecting with other movements dealing with issues of openness<\/li>\n<li>Collaborate with international partners<\/li>\n<li>Experiment with sound and vision (at the very least)<\/li>\n<li>Avoid monolithic systems<\/li>\n<li>Learn from agile and rapid development methodologies<\/li>\n<li>Understand and use co-creation<\/li>\n<li>Produce more comprehensive analysis of media and cultural studies-related Open Education provision in the United Kingdom\/Europe<\/li>\n<li>Engage critically<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf S. 82ff findet sich auch eine Kritik an den Creative Commons.<\/p>\n<p>Eine kritisch-reflektierte Sicht in Deutschland auf OER bietet <a href=\"https:\/\/markusmind.wordpress.com\/\">Markus Deimann<\/a>, z.B. mit seinem Aufsatz &quot;Open Education als partizipative Medienkultur? Eine bildungstheoretische Rahmung&quot; (In: Partizipative Medienkulturen, herausgegeben von Ralf Biermann, Johannes Fromme, und Dan Verst&auml;ndig, 185\u2013205. Wiesbaden: Springer, 2014. <a href=\"https:\/\/markusmind.files.wordpress.com\/2013\/03\/08-deimann.pdf\">Open Access Version<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Nachdenkliches zur Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Die Herausforderung von OER ist aber die Praxis. Und im Hochschulbereich gibt es da noch gro&szlig;e Entwicklungsm&ouml;glichkeiten.<\/p>\n<ol>\n<li>Ein erstes denkbares Szenario ist die Produktion und das Angebot von OER durch Lehrende. Skripten und Folien zu Lehrveranstaltungen werden so &#8211; auch aus urheberrechtlicher Sicht &#8211; aufbereitet, dass sie unter einer offenen Lizenz (m&ouml;glichst Creative Commons BY oder Creative Commons BY SA) angeboten werden k&ouml;nnen. Hier gibt es diverse Barrieren, seien es rechtliche Unsicherheiten, Zeitmangel, unzureichende digitale Kompetenz u.a.m. (vgl. dazu Pirkkalainen, H., J.P.P. Jokinen, und J.M. Pawlowski. \u201eUnderstanding Social OER Environments &#8211; A Quantitative Study on Factors Influencing the Motivation to Share and Collaborate\u201c. IEEE Transactions on Learning Technologies 7, Nr. 4 (Oktober 2014): 388\u2013400. doi:<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1109\/TLT.2014.2323970\">10.1109\/TLT.2014.2323970<\/a>. Kein Open Access).\n<p>Eine sehr sch&ouml;ne <a href=\"http:\/\/mythbusting.oerpolicy.eu\/\">Auflistung der Mythen, &quot;warum OER nicht funktioniert&quot;<\/a>, bietet eine Webseite des European Open Edu Policy Project. Aber auch didaktische Gr&uuml;nde k&ouml;nnen gegen eine Ver&ouml;ffentlichung als OER sprechen: So kann man eventuell gestellte Aufgaben bei der Lehrveranstaltung im n&auml;chsten Semester nicht in der Form wiederverwenden, weil sie schon bekannt sind.<\/p>\n<p>Ein paar Beispiele zu diesem Szenario:<\/p>\n<ul>\n<li>Zu Open Access bietet die UNESCO <a href=\"http:\/\/www.unesco.org\/new\/en\/communication-and-information\/resources\/news-and-in-focus-articles\/all-news\/news\/unescos_open_access_oa_curriculum_is_now_online\/\">in 5 Modulen Unterrichtseinheiten zum Thema Open Access<\/a> (2015) an.<\/li>\n<li>An der TUHH hatten wir zur letzten Open Access Woche einen <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/blog\/2014\/10\/26\/oaweek-tag-7-open-educational-resources\/\">Blog-Beitrag zu OER<\/a> geschrieben und haben daf&uuml;r zumindest 4 Beispiele mit Angeboten gefunden, die wenigstens frei zug&auml;nglich waren, ohne dass sie aber eine CC-Lizenz enthielten. Mittlerweile hat der hier schon &ouml;fters genannte <a href=\"http:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/\">Bibliotheksblog zum Thema Wissenschaftliches Arbeiten<\/a> wenigstene eine!<\/li>\n<li>Letztendlich stellen auch Pr&auml;sentationsformen zu diversen Themen, wie sie etwa auf Slideshare bereitgestellt werden, so etwas wie OER dar.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/p>\n<p>Aber welchen Sinn machen z.B. Pr&auml;sentationsfolien als OER, wenn sie in PDF-Form unter einer CC-Lizenz ins Netz gestellt werden. Positiv ist nat&uuml;rlich, dass alle diese anschauen k&ouml;nnen und zumindest teilweise inhaltlich nachvollziehen k&ouml;nnen, was der Inhalt des Vortrages war. Auch um Anregungen zu bekommen, ist so etwas sehr n&uuml;tzlich. Aber wirklich weiter verwenden, werden Lehrende bzw. Vortragende die Folien oder Skripte anderer sicher nicht, dazu ist meist der Kontext &#8211; zu dem z.B. auch die Person selbst geh&ouml;rt, die vortr&auml;gt &#8211; oder die Zielgruppe nicht wirklich passend. Daran kranken ja auch die vielen Online-Tutorials, oder kleinen Film-Sequenzen oder gar Video-Vorlesungs-Aufzeichnungen, die existieren &#8211; bei allen Vorteilen, die diese nat&uuml;rlich auch haben, wenn der Kontext passt! Ich denke, dies steckt auch hinter dem &#8222;not-invented-here&#8220;-Syndrom, das oft auch als Barriere genannt wird.<\/p>\n<p>Bietet man die oben genannten Pr&auml;sentationsformen jedoch in einem offenen Pr&auml;sentationsformat an und f&uuml;gt zus&auml;tzlich die enthaltenen Abbildungen als nicht zu niedrig aufgel&ouml;ste Bild-Dateien unter einer CC-Lizenz bei, kann dies, wenn es vom Kontext her passt, vielleicht wirklich weiter verwendet werden. Ein solches st&auml;rker granul&auml;res Angebot macht bei der Erstellung nat&uuml;rlich mehr Arbeit. Die Frage ist, wann ist dies sinnvoll und in welcher Form und wo kann etwas angeboten werden, damit es von anderen auch wiedergefunden wird.\n<\/li>\n<li>Eine Ausweitung des oben beschriebenen Szenarios stellt dann die gemeinsame Erarbeitung von OER dar, z.B. auch in Form von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Book_Sprint\">Books Sprints<\/a>. Ergebnisse solcher Aktionen sind:\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/l3t.eu\">L3T, das \u201eLehrbuch f\u00fcr Lernen und Lehren mit Technologien\u201c<\/a>,  ist in Deutschland eines der bekanntesten offenen Bildungsressourcen.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.tib-hannover.de\/de\/die-tib\/aktuelles\/aktuelles\/id\/814\/\">Projekt CoScience<\/a> <\/li>\n<\/ul>\n<p>\n<\/li>\n<li>OER k&ouml;nnen nat&uuml;rlich auch als Ergebnis einer Lehrveranstaltung entstehen, als Lernprodukt, das entweder gemeinsam von Studierenden (auch zusammen mit Lehrenden) oder individuell von jedem Lernenden erstellt wird. Teile von Studien-, Projekt- und Examensarbeiten k&ouml;nnten durchaus als OER publiziert werden. Sie zeigen damit Ergebnisse des Lernens und Lehrens einer Bildungsinstitution und k&ouml;nnen so sogar einen Marketing-Effekt haben. Auch Lehrenden und Lernende spezifischer Lehrveranstaltungen k&ouml;nnen angeregt werden, Produkte ihres Lernens weiterzugeben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von J&ouml;ran Muu&szlig;-Merholz stammt eine &quot;<a href=\"http:\/\/pb21.de\/2014\/12\/oer-matrix\/\">OER-Matrix: eine Systematik zu den Auspr&auml;gungen von Open Educational Resources<\/a>&quot;, bei der deutlich wird, dass Offenheit eigentlich ein Kontinuum darstellt, genauso wie der Grad, wie OER dem Lernen dienen. F&uuml;r mich, und das wird in der Matrix aus meiner Sicht so nicht deutlich, k&ouml;nnen OER auch aus Lernprozessen heraus entstehen. <\/p>\n<p>Hier ist auch die Frage der Beziehung von OER zu <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/publizieren\/openaccess\/\">Open Access (OA)<\/a> angesprochen, denn theoretisch k&ouml;nnen alle als OA publizierten Dokumente auch als OER dienen. Was kann man von Open Access im Hinblick auf OER lernen? Zun&auml;chst einmal wird deutlich, dass der Weg zu OER ein langer Weg ist. Und man muss sich beim Thema OER bewusst sein, dass auch hier irgendwann &uuml;ber Gesch&auml;ftsmodelle gesprochen wird bzw. die Verlage welche anbieten (siehe dazu S. 34ff im ganz oben genannten Whitepaper) . Auch kommerzielle Verlage werden versuchen mit OER Gesch&auml;fte zu machen. Letztlich sind die immer zahlreicher werdenden Open-Access-B&uuml;cher (vgl. <a href=\"http:\/\/www.doabooks.org\">www.doabooks.org<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.oapen.org\/home\">www.oapen.org<\/a>) vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften auch OER.<\/p>\n<p><strong>Fazit f&uuml;r diesen Blog-Beitrag<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Beitrag tr&auml;gt f&uuml;r mich interessante Aspekte zum Thema OER zusammen. Wie viele andere Beitr&auml;ge &uuml;ber OER auch ist er gr&ouml;&szlig;ten Teils redundant zu diesen. Geschrieben wird &uuml;ber OER genug, die Herausforderung ist aber, OER zu produzieren.<\/p>\n<p>Und hier wird noch sehr mit Wasser gekocht: Schaut man sich z.B. in der OER-Plattform der TU Darmstadt <a href=\"https:\/\/www.openlearnware.de\">OpenLearnWare<\/a> um, findet man haupts&auml;chlich Filme oder Audio-Dateien von Vorlesungen. In der Regel werden nicht mal die Pr&auml;sentationsfolien zum Download angeboten. Bei einer Vorlesungsreihe mit dem Titel &quot;<a href=\"https:\/\/www.openlearnware.de\/#!\/collection\/fachforum-e-learning-bildung-fur-alle-offene-lernressourcen-an-hochschulen-125\">Fachforum E-Learning: Bildung f&uuml;r Alle? Offene Lernressourcen an Hochschulen<\/a>&quot; (2014) stehen immerhin die PDF-Dateien der Pr&auml;sentationen zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Open Educational Resources (OER) sind &quot;Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz ver&ouml;ffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/open-educational-resources-und-bibliotheken\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7,3,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2556"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2556"}],"version-history":[{"count":50,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2665,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2556\/revisions\/2665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.hapke.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}