{"id":2690,"date":"2016-03-06T13:30:32","date_gmt":"2016-03-06T12:30:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=2690"},"modified":"2018-05-11T11:32:21","modified_gmt":"2018-05-11T10:32:21","slug":"das-denken-ausstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/das-denken-ausstellen\/","title":{"rendered":"Das Denken ausstellen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Nein, nicht Ausstellen im Sinne von Abstellen, das machen manche &quot;Vereinfacher&quot; und &quot;Selbstdarsteller&quot; &#8211; beides tritt h&auml;ufig zusammen auf &#8211; heutzutage genug. Hier soll es um Ausstellungen des Denkens und zum Nachdenken gehen, besonders um Ausstellungen zur Philosophie, die ich letztes Jahr besuchen konnte.<\/p>\n<ul>\n<li>Die eine Ausstellung l\u00e4uft im Garten der <a href=\"http:\/\/www.burg-lenzen.de\">Burg Lenzen<\/a>, einem Besucher- und Tagungszentrum im Biosph&auml;renreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Ein Besuch lohnt sich, denn hier ist &quot;Ein naturphilosophischer Spaziergang durch die Jahrhunderte&quot; (<a href=\"http:\/\/www.burg-lenzen.de\/burg_lenzen\/upload\/5_projekte\/Broschuere_NaturPoesieGarten.pdf\">Brosch&uuml;re<\/a>) im dem die Burg umgebenden &quot;Naturpoesiegarten&quot; m&ouml;glich. In den Garten integrierte Kunstwerke laden ein zum Nachdenken &uuml;ber die Natur.\n<p>Hier fand ich einen meiner Lieblingsphilosophen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Bloch\">Ernst Bloch<\/a>, wieder, aber auch alle hier hervorgehobenen Philosophen wie etwa B&ouml;hme, Comenius, Leibniz, Kant und Schelling findet man in Bloch Schriften, der immer wieder das Verh\u00e4ltnis zur Natur thematisiert: &quot;Unsere bisherige Technik steht in der Natur wie eine Besatzungsarmee im Feindesland, und vom Landesinneren wei\u00df sie nichts.&quot;, ein Kernsatz aus einem Hauptwerk &quot;Prinzip Hoffnung&quot;. Dass Bloch auch im Zeitalter der Digitalisierung das Denken anregen kann, beweisen <a href=\"http:\/\/bloch-blog.de\/tag\/digitalisierung\/\">Beitr&auml;ge im Bloch-Blog<\/a>.<\/li>\n<li>Die zweite Ausstellung ging in eine ganz andere philosophische Richtung. Die Universit&auml;t Wien bot letztes Jahr im Zusammenhang mit ihrem 650-Jahre-Jubil\u00e4um die Ausstellung &quot;<a href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/AusstellungWienerKreis\/ausstellung.html\">Der Wiener Kreis \u2013 Exaktes Denken am Rand des Untergangs<\/a>&quot;. Der logische Positivismus ist zwar keine Philosophie, die mir nahesteht, aber durch die Besch\u00e4ftigung mit <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?s=ostwald&#038;submit=Suchen\">Wilhelm Ostwald<\/a> bewegt man sich auch etwas im Dunstkreis dieses Kreises, der in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bestand und danach einen gro&szlig;en Einfluss auf die Entwicklung insbesondere der Hauptstr&ouml;mungen der anglo-amerikanischen Philosophie hatte. Im Juni 2015 haben die Macher in der Wochenzeitung &quot;Die Zeit&quot; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2015\/25\/wiener-kreis-ausstellung\/komplettansicht\">ihre Ausstellung vorgestellt<\/a>.<br \/>\n<br \/>\nIn den von Ostwald herausgegebenen Annalen der Naturphilosophie wurde 1921 der &quot;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tractatus_logico-philosophicus\">Tractatus Logico-Philosophicus<\/a>&quot; des dem Wiener Kreis nahestehenden Ludwig Wittgenstein erstmals publiziert. J&uuml;ngst erschien ein Aufsatz zu Ostwald und Carnap (Dahms, Hans-Joachim (2016): Carnap\u2019s Early Conception of a &quot;System of the Sciences&quot;: The Importance of Wilhelm Ostwald. In: Christian Damb&ouml;ck (Hg.): Influences on the Aufbau. Cham: Springer International Publishing, S. 163\u2013185).<\/p>\n<p>Auch der &ouml;sterreichische Wissenschaftstheoretiker und Arbeiter- und Volksbildner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Neurath\">Otto Neurath<\/a> geh&ouml;rte zum Wiener Kreis. Neuraths Aktivit&auml;ten, wie z.B. seine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Isotype_%28picture_language%29\">universale Bildsprache Isotype<\/a>, haben teilweise bis heute Bedeutung. In der von ihm begr\u00fcndeten Schriftenreihe &quot;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/International_Encyclopedia_of_Unified_Science\">International Encyclopedia of Unified Science<\/a>&quot; publizierte Thomas S. Kuhn 1962 sein einflussreiches Buch &quot;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Structure_of_Scientific_Revolutions\">The Structure of Scientific Revolutions<\/a>&quot;, das als Meilenstein ein Nachdenken &uuml;ber die Entstehung von Wissen innnerhalb von Wissenschaftsgeschichte und -theorie anregte.<\/p>\n<p>Faszinierend an der Ausstellung waren die vielf&auml;ltigen Kontexte und Netzwerke zu ganz unterschiedlichsten Str&ouml;mungen und Menschen der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. So unterschiedliche Menschen wie Ingeborg Bachmann, Berthold Brecht, Paul Feyerabend, L&aacute;szlo Moholy-Nagy, Robert Musil, Karl Popper, Edgar Zilsel u.a. standen in einer Beziehung zum Wiener Kreis.<\/li>\n<li>Beim netzbasierten &quot;Nachdenken&quot; \ud83d\ude0e &uuml;ber das Thema dieses Blog-Beitrags bin ich noch auf die faszinierende Ausstellung des franz&ouml;sischen Philosophen Jean-Fran&ccedil;ois Lyotard <a href=\"http:\/\/monoskop.org\/Les_Immat%C3%A9riaux\">&quot;Les Immat\u00e9riaux&quot;<\/a> gesto&szlig;en, die z.B. von Antonia Wunderlich <a href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-89942-937-4\/der-philosoph-im-museum\">in ihrem Buch<\/a> genau beschrieben wird. Die Meson Press der Leuphana Universit&auml;t L&uuml;neburg hat dazu aktuell <a href=\"http:\/\/meson.press\/books\/30-years-after-les-immateriaux\/\">einen Open Access zug&auml;nglichen Sammelband<\/a> vorgelegt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&Uuml;brigens auch die Universit&auml;tsbibliothek der Technischen Universit&auml;t Hamburg (TUHH) hat im Rahmen der Nacht des Wissens im letzten Jahr eine <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/blog\/2015\/11\/07\/offenheit-unsere-posterausstellung-zur-nacht-des-wissens\/\">Poster-Ausstellung<\/a> veranstaltet, die zum Nachdenken anregen sollte. Das Thema war Offenheit und damit zusammenh&auml;ngende Aspekte. Dabei war auch ein Plakat und ein paar Vitrinen &quot;<a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/blog\/2015\/10\/21\/zur-geschichte-der-offenheit-von-wissen\/\">Zur Geschichte der Offenheit von Wissen<\/a>&quot;.<\/p>\n<p>Das Denken kann ja eigentlich auch in Medien wie B&uuml;chern oder solchen Blogs wie diesen hier ausgestellt werden. Letztlich kann man Menschen auch via Twitter beim Denken zuschauen. Bei mir z.B. wandern manche Tweets eventuell mal in einen Blog-Beitrag und vom Blog vielleicht auch in eine &quot;richtige&quot; \ud83d\ude0e Publikation.<\/p>\n<p>Das Denken beobachten l&auml;sst sich auch auf der Website <a href=\"http:\/\/edge.org\/\">Edge<\/a>, auf der John Brockman Wissenschaftlern <a href=\"http:\/\/edge.org\/annual-questions\">j&auml;hrlich eine spannende Frage<\/a> stellt, die dann vielf&auml;ltig beantwortet wird. Die Frage von 2015 lautete &quot;What do you think about machines that think?&quot;, 2016 soll die Frage &quot;What do you consider the most interesting recent [scientific] news? What makes it important?&quot; beantwortet werden.<\/p>\n<p>Auf deutsch sind gerade die Antworten der Frage von 2014 erschienen: &quot;<a href=\"http:\/\/edge.org\/annual-question\/what-scientific-idea-is-ready-for-retirement\">What scientific idea is ready for retirement?<\/a>&quot; (Welche wissenschaftliche Idee ist reif f&uuml;r den Ruhestand? \/hrsg. von John Brockman. Fischer, 2016. Titel der englischen Buchausgabe: This idea must die. Scientific theories that are blocking progress.)<\/p>\n<p>Mit dabei bei <a href=\"http:\/\/edge.org\/responses\/what-scientific-idea-is-ready-for-retirement\">den Antworten<\/a> sind solche, die auf recht popul\u00e4re Weise eine Reflexion gerade zum Wesen der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Methode in Gang setzen, u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li>Einfachheit (Simplicity &#8211; A. C. Grayling)<\/li>\n<li>Ursache und Wirkung (Cause and Effect &#8211; W. Daniel Hillis)<\/li>\n<li>Wissenschaft macht Philosophie \u00fcberfl\u00fcssig (Science Makes Philosophy Obsolete &#8211; Rebecca Newberger Goldstein)<\/li>\n<li>&quot;Wissenschaft&quot; (&#8222;Science&#8220; &#8211; Ian Bogost)<\/li>\n<li>Unsere enge Definition von Wissenschaft (Our Narrow Definition of &#8222;Science&#8220; &#8211; Sam Harris)<\/li>\n<li>Informations\u00fcberlastung (Information Overload &#8211; Jay Rosen)<\/li>\n<li>Die Wissenschaft korrigiert sich selbst (Science Is Self-Correcting &#8211; Alex Holcombe)<\/li>\n<li>Wissenschaftliche Erkenntnis als &quot;Literatur&quot; strukturiert (Scientific Knowledge Should Be Structured as &#8222;Literature&#8220; &#8211; Brian Christian)<\/li>\n<li>Die Art und Weise, wie wir Wissenschaft produzieren und f\u00f6rdern (The Way We Produce And Advance Science &#8211; Kathryn Clancy)<\/li>\n<li>Nur Wissenschaftler k\u00f6nnen Wissenschaft betreiben (Only &quot;Scientists&quot; Can Do Science &#8211; Kate Mills)<\/li>\n<li>Die wissenschaftliche Methode (The Scientific Method &#8211; Melanie Swan)<\/li>\n<li>Reproduzierbarkeit (Reproducibility &#8211; Victoria Stodden)<\/li>\n<li>Gewissenheit. Absolute Wahrheit. Genauigkeit (Certainty. Absolute Truth. Exactitude &#8211; Richard Saul Wurman)<\/li>\n<li>Die Illusion wissenschaftlichen Fortschritts (The Illusion of Scientific Progress &#8211; Paul Saffo)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, nicht Ausstellen im Sinne von Abstellen, das machen manche &quot;Vereinfacher&quot; und &quot;Selbstdarsteller&quot; &#8211; beides tritt h&auml;ufig zusammen auf &#8211; heutzutage genug. 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