{"id":2976,"date":"2017-10-06T16:23:26","date_gmt":"2017-10-06T15:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=2976"},"modified":"2018-12-09T16:51:51","modified_gmt":"2018-12-09T15:51:51","slug":"klimabildung-und-bildung-fuer-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/higher-education\/klimabildung-und-bildung-fuer-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Klimabildung und Bildung f\u00fcr Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Beim Lesen des sch\u00f6nen Artikels von Nina Kolleck und Mareike Well mit dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5448343\/\">Mehr Action f\u00fcrs Klima! Pariser Abkommen: Angesichts m\u00e4chtiger \u201aKlimaskeptiker\u2018 wie Trump ist es wichtig, die Wissenschaft auch in Schule und Uni weiter zu st\u00e4rken<\/a>\u201c (TAZ. Die Tageszeitung, Freitag, 29. September 2017, S.12) schwankte ich zwischen Phasen von gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig absoluter Zustimmung und grunds\u00e4tzlicher Kritik, die ich mit diesen Anmerkungen loswerden will. Damit kann der Text vielleicht zur &#8222;lebhaften Streitkultur&#8220; (so die \u00dcberschrift \u00fcber dem letzten Absatz des Artikels) beitragen. Selten hat man in Tages- und Wochenzeitungen Texte, die zumindest bei mir so &#8222;einschlagen&#8220; und einen zum Anschluss-Denken anregen, wobei dieses auch basiert auf manchen der letzten Beitr\u00e4ge in diesem Blog.<\/p>\n<p>Letztlich fordert der Text mehr Klimabildung, ein Punkt, dem man nur zustimmen kann. Aber: Auch wenn ich selbst eher bildungsorientiert statt kompetenzorientiert denke (vielleicht ist dies aber auch eine Debatte von gestern?!), greift der Begriff Klimabildung f\u00fcr mich zu kurz. Das Klima bildet sich von alleine. \ud83d\ude0e In der gleichen TAZ-Ausgabe, in der dieser Artikel erschien, war \u00fcbrigens auch eine <a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\/14387\">Beilage der Umwelt- und Entwicklungsorganisation German Watch<\/a> enthalten, die vor allem der nachhaltigen Landwirtschaft gewidmet ist. Hier wurde im letzten Text dieser Beilage die &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bildung_f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung\">Bildung f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung (BnE)<\/a>&#8220; diskutiert. Das w\u00e4re f\u00fcr mich als Begriff wesentlich besser, es sei denn man denkt Klimabildung als Synonym f\u00fcr BnE. BnE ist viel umfassender gedacht, wobei in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ziele_f%C3%BCr_nachhaltige_Entwicklung\">Zielen f\u00fcr nachhaltige Entwicklung der UN (Sustainable Development Goals, SDGs)<\/a> das Thema Klimawandel mit enthalten ist.<\/p>\n<p>Die zweite Forderung des Textes, die nach der St\u00e4rkung von Wissenschaft in Schule und Universit\u00e4t, ist auch nur zu unterstreichen. Aber: Trotz kritischer Bemerkungen zur \u201eEntt\u00e4uschende[n] Wissenschaft\u201c (auch eine \u00dcberschrift im TAZ-Artikel beim dem zweiten Abschnitt des Textes von Kolleck und Well) klingt doch f\u00fcr mich eine zu starke affirmative Bewertung von Wissenschaft durch, die teilweise auch bei den Marches of Science im Fr\u00fchjahr dieses Jahres zu beobachten war. Es gibt nicht &#8222;die&#8220; Wissenschaft, sondern ganz viele Wissenschaften und unterschiedliche Sichtweisen, was Wissenschaft ist und wie diese funktioniert.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWichtig w\u00e4re es, sowohl in Schule als auch an den Hochschulen beim Lernen und Lehren die &#8222;Wissenschafts-Innenpolitik&#8220; aber dazu ebenso die &#8222;Wissenschafts-Au\u00dfenpolitik&#8220; zu thematisieren. Bildung f\u00fcr Wissenschaft meint einerseits zu hinterfragen, &#8222;<a href=\"http:\/\/www.hoou.de\/p\/2016\/02\/09\/wie-funktioniert-eigentlich-forschung\/\">wie funktioniert eigentlich Wissenschaft?<\/a>&#8222;, also z.B. zu fragen, wie kommt Wissenschaft zu ihren Ergebnissen, wie funktioniert die Kommunikation, also auch das Publizieren in der Wissenschaft, was ist z.B. Peer Review, warum werden so selten negative Ergebnisse publiziert und anderes mehr. Andererseits ist es wichtig, zu sehen, wie Wissenschaften und ihre Ergebnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft genutzt, dabei auch nicht selten &#8222;falsch&#8220; interpretiert sowie kontrovers diskutiert werden. Gerade aus Kontroversen &#8211; egal ob innerwissenschaftliche oder gesellschaftliche zu Wissenschaftsthemen &#8211; l\u00e4sst sich sehr viel lernen.<\/p>\n<p>Kontroversen um den Sauerstoff in der Chemie Ende des 18. Jahrhunderts, die bis heute andauernden Diskussionen zur Evolutionstheorie Darwins und andere Themen mehr, bieten ausreichend Stoff, um \u201eWissenschafts-Innenpolitik\u201c zu verstehen. Auch die Untersuchung von Fallbeispielen, wo Wissenschaft Treibende die Tugend der <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/2014\/01\/08\/werte-und-wissenschaftliches-arbeiten\/\">wissenschaftlichen Integrit\u00e4t<\/a> verletzen, z.B. bei F\u00e4lschungen in der Wissenschaft, sind sehr aufschlussreich zum Verstehen des Funktionierens von Wissenschaft.<\/p>\n<p>Durch Verfolgung von Diskussionen im Laufe der letzten Jahre kann wissenschafts-au\u00dfenpolitisch gesehen werden, wie jeweilige Interessengruppen &#8211; etwa bei Themen zur Gesundheit von Zigarettenkonsum, zum Klimawandel, zum Einsatz etwa von Glyphosat und bei anderen gesellschaftspolitischen Diskussionen &#8211; Wissenschaft f\u00fcr die jeweils eigenen Zwecke benutzen. Beim Reflektieren \u00fcber den Zusammenhang zwischen der Innen- und Au\u00dfenpolitik in den Wissenschaften kommen dann Fragen des Einflusses von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf die Wissenschaften zum Tragen, etwa die Problematik von Drittmittel- und Auftragsforschung oder das Verh\u00e4ltnis zwischen Hochschulforschung und Milit\u00e4r. F\u00fcr solche Themen, didaktisch passende Konzepte zu entwickeln, w\u00e4re f\u00fcr mich wichtig.<\/p>\n<p>Ein Nachdenken \u00fcber Wissenschaft, \u00fcber das Funktionieren wissenschaftlicher Forschung und \u00fcber die Kennzeichen von Wissenschaftlichkeit w\u00e4re wichtig f\u00fcr alle Menschen, die wissenschaftlich arbeiten oder Wissenschaft verstehen wollen. Um wissenschaftlich begr\u00fcndete Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen, im Alltag etwa zum Umgang mit Lebensmitteln oder in der Gesundheits-Vorsorge und nat\u00fcrlich auch in der Politik, m\u00fcssen Entscheidende ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis des Funktionierens von Wissenschaft haben. Ein Verstehen, wie Wissenschaft funktioniert, ist in einer Gesellschaft notwendig, die wesentlich vom wissenschaftlich-technischen Fortschritt gepr\u00e4gt ist und die sich gleichzeitig unter wissenschafts- und technikbezogenen Herausforderungen (Digitalisierung, Klimawandel usw.) weiterentwickeln muss.<\/p>\n<p>Im letzten schon erw\u00e4hnten Artikel in der Beilage von German Watch wird auf einen weiteren Text von German Watch mit dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\/12040\">Wandel mit Hand und Fu\u00df<\/a>&#8220; hingewiesen. Hier wird in Erg\u00e4nzung zum sogenannten &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96kologischer_Fu%C3%9Fabdruck\">\u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck<\/a>&#8220; (Ecological Footprint), der ein Ma\u00df f\u00fcr die Umweltbelastung durch einen Menschen bzw. den Verbrauch nat\u00fcrlicher Ressourcen durch einen Menschen darstellt, das Konzept des Handabdrucks (Hand Print) eingef\u00fchrt. Letztlich ist zum Verkleinern des \u00f6kologischen Fu\u00dfabdrucks das &#8222;Hand&#8220;eln jedes einzelnen Menschen notwendig. Ich hoffe f\u00fcr mich, dass durch diesen Text mein individueller Handabdruck ein ganz kleines bisschen gr\u00f6\u00dfer wird, ohne dass dieses Gr\u00f6\u00dferwerden von mir als Alibi genutzt wird, damit aufzuh\u00f6ren, weiterhin daran zu arbeiten, meinen Fu\u00dfabdruck zu verkleinern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Lesen des sch\u00f6nen Artikels von Nina Kolleck und Mareike Well mit dem Titel \u201eMehr Action f\u00fcrs Klima! Pariser Abkommen: Angesichts m\u00e4chtiger \u201aKlimaskeptiker\u2018 wie Trump ist es wichtig, die Wissenschaft auch in Schule und Uni weiter zu st\u00e4rken\u201c (TAZ. 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