{"id":3136,"date":"2019-09-24T20:02:20","date_gmt":"2019-09-24T19:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=3136"},"modified":"2019-09-25T09:18:49","modified_gmt":"2019-09-25T08:18:49","slug":"verschiedenes-zum-wissenschaftlichen-arbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/verschiedenes-zum-wissenschaftlichen-arbeiten\/","title":{"rendered":"Verschiedenes zum &quot;Wissenschaftlichen Arbeiten&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Zum forschenden Lernen, was auch <a href=\"https:\/\/www2.tuhh.de\/zll\/forschendes-lernen\/\">an der TU Hamburg (TUHH) eine gro\u00dfe Rolle<\/a> spielt, kann durchaus auch das Schreiben und Publizieren von Studierenden geh\u00f6ren, womit das wissenschaftliche Arbeiten explizit thematisiert wird. Seit etwa einem Jahr wurde daher von mir eine Reihe von Beitr\u00e4gen mit Gedanken und Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten f\u00fcr Lehrende und Betreuende an der TU Hamburg aus Sicht der tub. geschrieben. Diese wurden an der TU Hamburg in einem internen Informationsangebot zum forschenden Lernen, was die Social Networking Software HumHub benutzt, eingestellt und sind, leicht angepasst, in diesem Beitrag hier gesammelt. <\/p>\n<h2>1. Wissenschaftliches Arbeiten oder Schreiben?<\/h2>\n<p>Bei Diskussionen um das Lernen ist es mir wieder bewusst geworden: Viele sprechen eher vom &#8222;Wissenschaftlichen Schreiben&#8220;, etwa das <a href=\"https:\/\/www2.tuhh.de\/zll\/leistungen\/schreiben-in-der-lehre\/\">Zentrum f\u00fcr Lehre und Lernen<\/a> der TUHH oder auch im Titel der j\u00e4hrlich im Fr\u00fchjahr federf\u00fchrend von der zentralen Studienberatung organisierten <a href=\"https:\/\/www.tuhh.de\/tuhh\/studium\/ansprechpartner\/studienberatung\/finishing\/die-kleine-nacht-des-wissenschaftlichen-schreibens.html\">&#8222;Kleinen Nacht des wissenschaftlichen Schreibens an der TUHH&#8220;<\/a>, an der auch die tub. <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/blog\/tag\/kleine-nacht-des-wissenschaftlichen-schreibens\/\">seit Jahren beteiligt<\/a> ist.<\/p>\n<p>Die TUHH-Bibliothek (tub.) nennt das von ihr federf\u00fchrend durchgef\u00fchrte NTA-Seminar f\u00fcr Bachelors aber &#8222;Wissenschaftliches Arbeiten&#8220;. Dieses wird <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/\">von einem Blog begleitet<\/a>, als eine Art Schaufenster, damit Seminar-Inhalte auch von Dritten, insbesondere Studierenden, die keinen Seminarplatz erhalten haben, genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was unterscheidet die Begriffe &#8222;Wissenschaftliches Arbeiten&#8220; und &#8222;Wissenschaftliches Schreiben&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied ist wie so oft eine Frage der Sicht.<\/p>\n<ul>\n<li>Aus Bibliothekssicht umfasst der Begriff &#8222;Wissenschaftliches Schreiben&#8220; zu wenig, da unser Potential in der tub. tendenziell eher beim Umgang mit Fachinformation, mit Literaturverwaltung und bei der Publikationsberatung liegt und das eigentliche Schreiben eher am Rande vorkommt, wobei Schreiben beim Forschen von Anfang an dazugeh\u00f6ren sollte.<\/li>\n<li>Aus Sicht von Studierenden und Forschenden fehlen beim Begriff &#8222;Wissenschaftliches Arbeiten&#8220;, so wie wir ihn in der tub. benutzen, aber oft die Herausforderungen &#8222;wirklichen&#8220; Arbeitens, etwa Fragen wissenschaftliche Methodik, das Experimentieren, die Dokumentation und das Laborbuch, statistische Auswertungen und vieles mehr.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Autorin Andrea Klein eines sch\u00f6nen Buches mit dem Titel &#8222;Wissenschaftliche Arbeiten schreiben&#8220; (2017, in der Lehrbuchsammlung unter WHN-327) hat sich in ihrem Blog <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftliches-arbeiten-lehren.de\/wissenschaftliches-arbeiten-versus-wissenschaftliches-schreiben\/\">mit dem Unterschied auch noch weiter auseinandergesetzt<\/a>.<\/p>\n<p>**Wie nehmen Sie den Unterschied zwischen &#8222;Wissenschaftlichem Arbeiten&#8220; und &#8222;Wissenschaftlichem Schreiben&#8220; wahr?**<\/p>\n<h2>2. Zitieren<\/h2>\n<p>Zum Zitieren als wichtigem Thema beim wissenschaftlichen Arbeiten gibt es eigentlich nur sehr wenige generelle Tipps.<\/p>\n<p>Aufgrund einer Nachfrage aus dem Promotionsausschuss, ob es denn zum Zitieren eine DIN-Norm gebe, die man Promovierenden empfehlen k\u00f6nne, habe ich vor Jahren eine kurze Handreichung zum Zitieren geschrieben, die 2018 aktualisiert wurde:<\/p>\n<ul>\n<li>Hapke, T. (2018, November). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.1745329\">Zitieren und das Literatur- bzw. Quellenverzeichnis \u2013 eine Handreichung<\/a>. Zenodo.<\/li>\n<\/ul>\n<p>BTW:<\/p>\n<p>Eine solche DIN-Norm gibt es \u00fcbrigens,, dazu aber viele Tausend weitere Zitierstile, je nach Disziplin, Verlag, Zeitschrift oder gar Institut, so dass man von Normung nicht wirklich sprechen kann. <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/publizieren\/literaturverwaltung\/\">Literaturverwaltungs-Software<\/a> wie Citavi und Zotero unterst\u00fctzt einen, um Literaturquellen automatisch zu verwalten und um Literaturverzeichnisse automatisch je nach Zitierstil automatisch zu erstellen.<\/p>\n<h2>3. Wissenschaftliches Arbeiten in 45 Minuten<\/h2>\n<p>Eigentlich geht das nicht: 45 Minuten hatte ich im Dezember 2018 Zeit, um in einem Bachelor-Seminar der Berufswissenschaften f\u00fcr das Thema &#8222;Wissenschaftliches Arbeiten&#8220; aus Bibliothekssicht zu sensibilisieren.<\/p>\n<p>Das waren die durch vorheriges Recherchieren zur Verf\u00fcgbarkeit von Dokumenten und durch Live-Vorf\u00fchrungen aufgegriffenen Themen:<\/p>\n<ul>\n<li>M\u00f6glichkeiten zum Finden von Fachinformation in <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/finden\/datenbanken\/\">Fachdatenbanken<\/a><\/li>\n<li>Wie kann ich sicherer sein, beim Informieren nichts Wesentliches zu \u00fcbersehen? (Antwort: &#8222;Mit Datenbanken und Suchbegriffen spielen&#8220;)<\/li>\n<li>Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi und Zotero schmackhaft machen:\n<ul>\n<li>beim Recherchieren nutzen (&#8222;Keepin&#8216; found things found&#8220;),<\/li>\n<li>beim Lesen f\u00fcrs &#8222;Notizen machen&#8220; (&#8222;Schreiben beginnt schon beim Lesen&#8220;) und zur Wissensorganisation des Gelesenen, Erforschten und Gedachten nutzen sowie<\/li>\n<li>beim Schreiben mit Office-Programmen mit dem Zitieren und mit Zitierstilen umgehen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur Nachbereitung gab es <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/files\/2018\/12\/Wiss-Arbeiten-Hapke-Dezember-2018.pdf\">Folien<\/a>.<\/p>\n<h2>4. Plagiate<\/h2>\n<p>Immer mal wieder taucht die Frage auf, ob es an Universit\u00e4ten Tools zum Checken von Dokumenten auf Plagiate gibt.<\/p>\n<p>An der TUHH gibt es die M\u00f6glichkeit das kommerzielle System <a href=\"https:\/\/www.turnitin.com\/de\">Turnitin<\/a> unter bestimmten Bedingungen zu nutzen. Zu beachten sind dabei besonders die Vorgaben bez\u00fcglich Datenschutz und Urheberrecht. Da die Daten auf Server in den USA hochgeladen werden, d\u00fcrfen in der Regel keine personenbezogenen Daten von Studierenden \u00fcbermittelt werden. Die Dokumente d\u00fcrfen auch nicht auf den Servern gespeichert und f\u00fcr sp\u00e4tere Vergleiche anderer Arbeiten herangezogen werden.<\/p>\n<p><strong>Meine Sicht auf das Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Es sollte prim\u00e4r eigentlich vorrangig nur um das Bewusstmachen der Plagiats-Problematik gehen. Der Nutzen solcher Plagiats-Erkennungsdienste erscheint eher fraglich, vgl. dazu einen von der Schlussfolgerung her wohl immer noch aktuellen Aufsatz von Debora Weber-Wulff und Katrin K\u00f6hler aus dem Jahre 2010 (<a href=\"http:\/\/plagiat.htw-berlin.de\/wp-content\/uploads\/PlagiatserkennungTest2010-final.pdf\">Plagiatserkennungssoftware 2010.<\/a> IWP &#8211; Information Wissenschaft &#038; Praxis, 2011, Heft 4, Seiten 159-166). Hier heisst es am Schluss als Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wir k\u00f6nnen diese Systeme nicht f\u00fcr den allgemeinen Gebrauch an Hochschulen empfehlen. Die aufgelisteten, teilweise n\u00fctzlichen Systeme k\u00f6nnten f\u00fcr Situationen verwendet werden, in der eine Lehrkraft misstrauisch geworden ist und Quellen nicht schnell mit einer Suchmaschine finden kann. Aber im allgemeinen gilt: drei bis f\u00fcnf l\u00e4ngere Worte aus einem verd\u00e4chtigen Absatz in einer Suchmaschine gen\u00fcgen f\u00fcr die Suche nach Quellen, die online zu finden sind!<br \/>\nStattdessen schlagen wir vor, Studierende gezielt \u00fcber das Thema Plagiat aufzukl\u00e4ren. Der Schwerpunkt sollte beim Aufkl\u00e4ren liegen, was Plagiate sind und wie sie zu vermeiden sind, anstatt sich auf Aufdeckung und Bestrafung zu konzentrieren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier ein paar weitere interessante Links:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/plagiat.htw-berlin.de\/\">Website zum Thema<\/a> von Weber-Wulff sowie <a href=\"https:\/\/copy-shake-paste.blogspot.com\">Blog Copy Shake Paste<\/a> etwa mit einem <a href=\"http:\/\/copy-shake-paste.blogspot.com\/2011\/06\/plagiarism-detection-software-and-zu.html\">Text von 2011<\/a><\/li>\n<li>Aufsatz von 2013 zum Einsatz von Turnitin an einer US-amerikanischen Uni: <a href=\"http:\/\/www.researchinlearningtechnology.net\/index.php\/rlt\/article\/view\/17218\">&#8222;Is it cheating \u2013 or learning the craft of writing? Using Turnitin to help students avoid plagiarism&#8220;<\/a> <\/li>\n<li>Webseite zum <a href=\"https:\/\/www.ulb.uni-muenster.de\/lotse\/arbeiten_schreiben\/zitieren\/index.html\">Zitieren innerhalb von &#8222;LOTSE&#8220;<\/a> der Unibibliothek M\u00fcnster<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch ein paar weitere pers\u00f6nliche Anmerkungen:<\/p>\n<p>Der Umgang mit der Plagiats-Problematik kann von einem eher missionarisch wirkenden Eifer begleitet werden, von dem f\u00fcr mich etwa auch Weber-Wulff nicht ganz frei ist. In einer Welt, die immer mehr der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Bibliothek_von_Babel\">Bibliothek von Babel des Jorge Luis Borges<\/a> \u00e4hnelt, kann aber auch eine gewisse Gelassenheit ein guter Weg sein. <\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang gefallen mir besonders Texte eines Kapitels mit dem Titel <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1524\/9783486717648.225\">&#8222;Verfassen eines wissenschaftlichen Textes&#8220;<\/a> aus dem Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten von Werner Sesink (Einf\u00fchrung in das wissenschaftliche Arbeiten. Inklusive E-Learning, Web-Recherche, digitale Pr\u00e4sentation u.a. 9. Aufl. M\u00fcnchen: Oldenbourg 2012. S. 225\u2013242). Hier heisst es z.B.<\/p>\n<blockquote><p> \u201eDas Wort Kritik kommt vom altgriechischen krinein = unterscheiden. Bei einer kritischen Aneignung denken Sie sich zwar in die fremden Gedanken hinein, bleiben dabei aber unterschieden vom Autor der fremden Gedanken (bleiben Sie selbst); und Sie unterscheiden zwischen dem, was Sie \u00fcberzeugt, weshalb es zu Ihrem eigenen Denken werden kann, und dem, was Sie nicht \u00fcberzeugt und wozu Sie deshalb in Distanz bleiben. So entsteht aus der Aneignung etwas Neues: Ihr eigenes Denken ver\u00e4ndert sich (also Sie entwickeln sich); und das Angeeignete ver\u00e4ndert sich in der Rezeption durch Sie; es erf\u00e4hrt eine Transformation in eine Form, in der Sie es mit \u00dcberzeugung vertreten k\u00f6nnen.<br \/>\n[\u2026] Sie beziehen beides aufeinander und kommen so zu etwas Neuem, in dem sowohl das angeeignete Fremde als auch Ihr Eigenes in transformierter Gestalt aufgehoben sind.\u201c (S. 226)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann folgen auf den Seiten 235 bis 237 vier Gr\u00fcnde, warum Plagiate &#8222;verwerflich&#8220; sind:<\/p>\n<ol>\n<li>aus wissenschaftsimmanenten Gr\u00fcnden<\/li>\n<li>aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden<\/li>\n<li>aus moralischen Gr\u00fcnden<\/li>\n<li>aus rechtlichen Gr\u00fcnden<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diesen Gr\u00fcnden folgt am Schluss eine, wie ich finde, sch\u00f6ne Relativierung:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSt\u00e4ndig im Leben nehmen Sie die Gedanken anderer auf und verarbeiten Sie. Durch den Verarbeitungsprozess flie\u00dfen sie ein in Ihr eigenes Denken und Handeln, ohne dass Sie st\u00e4ndig registrieren und festhalten, woher bestimmte Einfl\u00fcsse denn urspr\u00fcnglich einmal kamen. Sie k\u00f6nnten gar keine eigenen Gedanken entwickeln ohne die Rezeption der Gedanken anderer. Es ist unm\u00f6glich, diese \u201aQuellen\u2018 auch nur ann\u00e4hernd umfassend offen zu legen. Sobald Sie eine \u00fcberzeugende Argumentation, eine evidente Beweisf\u00fchrung oder eine zwingende Schlussfolgerung \u00fcbernehmen, werden diese Ihre eigenen Gedanken, weil Sie sie im Nachvollzug selbst hervorgebracht (und nicht nur abgeschrieben oder sich gemerkt) haben. Sie werden im Laufe der Zeit wahrscheinlich sogar vergessen, dass Sie jemals anders gedacht haben. Wenn Sie dann in einer eigenen Arbeit diese Argumentation selbst \u00fcberzeugt und daher andere \u00fcberzeugend vorbringen, diesen evidenten Beweis f\u00fchren oder diese zwingende Schlussfolgerung ziehen, sind dies keine Plagiate. Sollten Sie aber noch wissen, dass Sie von jemand anderem auf diese Gedanken gebracht worden sind, dann w\u00e4re es eine Sache der Anerkennung und des Dankes, darauf hinzuweisen.\u201c (S. 237)<\/p><\/blockquote>\n<h2>5. Studentische Arbeiten und Urheberrecht<\/h2>\n<p>Das Thema Urheberrechte an studentischen Abschlussarbeiten und auch die Frage, wie man diese als Betreuende in der eigenen Arbeit zitieren sollte, stellt wohl immer wieder eine Herausforderung da.<\/p>\n<p>Eigentlich ist auf einer <a href=\"https:\/\/www.tuhh.de\/sls\/service-fuer-lehre-und-studium\/zentrales-pruefungsamt-geschaeftsstelle-des-promotionsausschusses-s6\/rund-um-die-abschlussarbeit.html\">Webseite des Servicebereichs Lehre und Studium am Ende<\/a> alles gesagt, was es zum Thema Abschlussarbeiten und Schutzrechte zu sagen gibt. Im Text am Ende gibt es auch ein Muster f\u00fcr die Einr\u00e4umung von Nutzungsrechten an geistigem Eigentum.<\/p>\n<p>In einem aktuellen Beitrag im Blog <a href=\"https:\/\/insights.tuhh.de\/de\/\">&#8222;Insights &#8211; Lehr und Forschung im digitalen Experimentierfeld der TU Hamburg&#8220;<\/a> habe ich mir von einer Studentin eine \u00e4hnliche Erkl\u00e4rung best\u00e4tigen lassen, damit ihr sch\u00f6ner Text <a href=\"https:\/\/insights.tuhh.de\/de\/blog\/hooutuhh\/2019\/03\/07\/eine-sicht-auf-offenheit-beim-forschen-und-lernen\/\">&#8222;Offenheit beim Forschen und Lernen \u2013 Ein Geben und Nehmen&#8220;<\/a> aus dem Bachelor-Seminar Wissenschaftliches Arbeiten von mir dort publiziert werden konnte.<\/p>\n<p>Vielleicht macht es ja auch Sinn, <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/2018\/09\/24\/als-studierende-publizieren\/\">Studierende selbst publizieren zu lassen<\/a> und sie dabei zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h2>6. Nachdenken \u00fcber Wissenschaft<\/h2>\n<p>Wann gibt es im Rahmen eines Studiums eigentlich Zeit und Raum daf\u00fcr, dar\u00fcber nachzudenken, was Wissenschaft eigentlich ist, wie sie funktioniert, was ihre Kennzeichen sind, was Wissenschaftlichkeit genau bedeutet?<\/p>\n<p>Wolf Wagner, auch Autor des Buches &#8222;Uni-Angst und Uni-Bluff heute. Wie studieren und sich nicht verlieren&#8220; (3. Aufl. Berlin: Rotbuch-Verl 2012.), schreibt in einem &#8211; allerdings mehr als 20 Jahre alten &#8211; Aufsatz (Wagner, Wolf: Wissenschaftliches Arbeiten. In: Handbuch kritische P\u00e4dagogik. Hrsg. von Armin Bernhard u. Lutz Rothermel. Weinheim: Dt. Studien-Verl. 1997. S. 425\u2013429), dass der Begriff &#8222;Wissenschaftliches Arbeiten&#8220; als doppelte Drohung daherkomme. \ud83d\ude0e <\/p>\n<p>Das Wort &#8222;Arbeiten&#8220; zeige, dass &#8222;es hier nicht um etwas Leichtes, Lustvolles, Spielerisches geht, sondern um Schweres, Anstrengung, Ernst.&#8220; Dabei seien in den Wissenschaften aber durchaus Neugier, Kreativit\u00e4t, &#8222;Abenteuer -und Streitlust&#8220; gefragt.<\/p>\n<p>Noch schwieriger wird es beim Wort &#8222;wissenschaftlich&#8220;, denn &#8222;Unwissenschaftliches&#8220; geh\u00f6re &#8222;angeblich nicht an die Hochschule&#8220;. All das h\u00e4tte also mit &#8222;Niveau&#8220; zu tun. &#8222;[I]rgendwie [solle man] besser als andere [sein], ohne da\u00df jemals Klarheit best\u00fcnde, was genau erf\u00fcllt sein mu\u00df, um die Forderung zu erf\u00fcllen. (Alle obigen Zitate S. 425)<\/p>\n<p>Um dieser doppelten &#8222;Bedrohung&#8220; entgegenzuwirken, lohnt es sich also vielleicht doch, \u00fcber Wissenschaftlichkeit nachzudenken. Zudem kann Wissenschaft vielleicht auch als erlernbares &#8222;Handwerk&#8220; angesehen werden. Dazu kommt, dass sich zur Zeit Konzepte und Werkzeuge der wissenschaftlichen Kommunikation ver\u00e4ndern. Diese wandeln sich durch die Digitalisierung und sind optimalerweise von Offenheit gepr\u00e4gt. Diese Tendenz zu Themen wie Open Access und Open Science als aktuelle Herausforderung f\u00fcr die Wissenschaften betont auch Fragen von Wissenschaftlichkeit und die Qualit\u00e4t von Wissenschaft.<\/p>\n<p>Wie das Schreiben wissenschaftlich wird, soll Thema eines kommenden Beitrages in dieser Reihe sein. Und nat\u00fcrlich geh\u00f6rt zum wissenschaftlichen Arbeiten mehr als Schreiben.<\/p>\n<p>Hier soll nun aber ein Tool vorgestellt werden, mit dem bewusst gemacht werden kann, dass es unterschiedliche Sichten auf Wissenschaft gibt, ja, dass man eigentlich von Wissenschaften mit ihren unterschiedlichen Sichten, Paradigmen und Methoden sprechen muss.<\/p>\n<p>Mit dem <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/sichten-auf-wissenschaft\/\">Wissenschaft-O-Maten<\/a> werden Nutzenden in Form eines Quizes nach und nach Aussagen \u00fcber Wissenschaft oder Wissenschaften angeboten. Sie werden jeweils gefragt, welcher Aussage \u00fcber Wissenschaft sie am ehesten zustimmen w\u00fcrden. Am Ende wird ihnen aus den ausgew\u00e4hlten Antworten eine Sicht auf Wissenschaft angeboten, die zu diesen ausgew\u00e4hlten Aussagen am besten passen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Man kann dieses Tool im Rahmen einer Lehrveranstaltung oder als Selbst-Lern-Werkzeug nutzen, um Lernenden durch das Lesen der Ausagen \u00fcber Wissenschaft(en) &#8211; zu deren Kennzeichen, \u00fcber wissenschaftliche T\u00e4tigkeiten, \u00fcber Wissenschaftlichkeit und Realit\u00e4t &#8211; bewusst zu machen, dass Wissenschaft unterschiedlich erfahren bzw. verschieden wahrgenommen werden kann.<\/p>\n<p>Eine didaktisch-theoretische &#8222;Fundierung&#8220; des Wissenschaft-O-Maten bietet vielleicht mein folgender, bisher nur als Preprint publizierte Text mit dem Titel <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.15480\/882.1759\">&#8222;Wissenschaft und Offenheit : Reflexion \u00fcber Wissenschaft als Teil der Lehre zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben&#8220;<\/a> (Nun in: Praxishandbuch Schreiben in der Hochschulbibliothek, herausgegeben von Willy S\u00fchl-Strohmenger und Ladina Tschander. Berlin: De Gruyter, 2019).<\/p>\n<h2>7. Was macht Schreiben eigentlich wissenschaftlich?<\/h2>\n<p>Schreiben ist f\u00fcr den Philosophen Daniel-Pascal Zorn ein \u201eLabor des Denkens\u201c (vgl. Einf\u00fchrung in die Philosophie. Frankfurt am Main: Klostermann 2018. S. 111). Mit diesem Bild wird auch f\u00fcr ingenieur- und naturwissenschaftliche Studierende, die ja \u00f6fters in Laboren unterwegs sind, das Schreiben vielleicht n\u00e4hergebracht. Studierende dieser Fachgebiete schreiben vor ihren Abschlussarbeiten zudem in der Regel auch Klausuren und Versuchsprotokolle.<\/p>\n<p>Jede und jeder schreibt, eine SMS, eine Mail oder auch anderes. Aber was macht nun das Schreiben wissenschaftlich? Schreiben beginnt eigentlich schon am Anfang einer jeden wissenschaftlichen Arbeit, etwa beim Expos\u00e9 oder durch Notizen beim Lesen und Experimentieren (hier vielleicht als <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/2016\/02\/15\/laborbuecher\/\">Forschungs-Tagebuch oder Laborbuch<\/a>).<\/p>\n<p>In Anlehnung an Otto Kruse (Lesen und Schreiben. 3. Aufl. Konstanz: UVK, 2018, S. 84) und Helga Esselborn-Krumbiegel (Richtig Wissenschaftlich Schreiben. 3. Aufl. Paderborn: Sch\u00f6ningh, 2014, S. 13) werden hier zur Beantwortung der Frage \u201eWas macht Schreiben wissenschaftlich?\u201c drei Ebenen unterschieden, eine Fach-Ebene, eine Meta-Ebene und eine Form-Ebene:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/files\/2019\/07\/Ebenen-wissenschaftlichen-Schreibens.png\" alt=\"Ebenen wissenschaftlichen Schreibens\" width=\"948\" height=\"620\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1281\" \/><\/p>\n<p>Die Ber\u00fccksichtigung aller drei Ebenen machen einen Text zu einem wissenschaftlichen Text.<\/p>\n<h2>Fach-liches<\/h2>\n<ul>\n<li>Einbettung des Textes bzw. des eigenen Schreibens in eine disziplin\u00e4re oder interdisziplin\u00e4re Systematik des Wissens und der Forschungspositionen<\/li>\n<li>Begr\u00fcndetes Vorgehen, methodisch und argumentativ nachvollziehbar (Roter Faden)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt also eine deutlich erkennbare Fragestellung innerhalb eines Themas oder einer Disziplin. Es wird begr\u00fcndet, warum diese wichtig ist f\u00fcr das Fach bzw. f\u00fcr die Welt.<\/p>\n<p>Es folgt daraus auch, dass eigene \u00dcberlegungen und eigene Forschung sowie die Forschung anderer unterscheidbar sind. Verwendete Quellen m\u00fcssen belegt werden. Es wird klar gezeigt, wie man die Fragestellung beantworten will.<\/p>\n<h2>Meta-liches<\/h2>\n<ul>\n<li>\nObjektivit\u00e4t: objektive, sachliche Darstellung<\/li>\n<li>\n<p>Kritikgebot: skeptische, kritische Grundhaltung<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Subjektive Urteile und Meinungen werden vermieden bzw. klar sichtbar gemacht. Bewertungen von Schreibenden oder innerhalb der benutzten Quellen sind deutlich erkennbar. Kritik wird begr\u00fcndet. <\/p>\n<h2>Form-ales<\/h2>\n<ul>\n<li>Einhaltung von Konventionen der Darstellung: Textgenres, Gliederungen, Zitierstile usw.<\/li>\n<li>Sprachliche und terminologische Genauigkeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben geh\u00f6rt auch eine gewisse Exaktheit, und die f\u00e4ngt schon beim Umgang mit der Literatur an.<\/p>\n<p>(Die letzten Abschnitte zu den drei Ebenen stammen aus einem <a href=\"https:\/\/www.tub.tuhh.de\/wissenschaftliches-arbeiten\/2019\/08\/01\/was-macht-das-schreiben-wissenschaftlich\/\">Beitrag des Blog zum &#8222;Wissenschaftlichen Arbeiten&#8220;<\/a> der tub.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum forschenden Lernen, was auch an der TU Hamburg (TUHH) eine gro\u00dfe Rolle spielt, kann durchaus auch das Schreiben und Publizieren von Studierenden geh\u00f6ren, womit das wissenschaftliche Arbeiten explizit thematisiert wird. 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