{"id":3236,"date":"2020-01-25T17:36:42","date_gmt":"2020-01-25T16:36:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=3236"},"modified":"2020-01-27T09:35:51","modified_gmt":"2020-01-27T08:35:51","slug":"ik-ki-informationskompetenz-und-kuenstliche-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/ik-ki-informationskompetenz-und-kuenstliche-intelligenz\/","title":{"rendered":"IK + KI &#8211; Informationskompetenz und k\u00fcnstliche Intelligenz"},"content":{"rendered":"<p>Aktivit\u00e4ten der Informationskompetenz haben oft den Anspruch, dass mit ihr auch Fake News bek\u00e4mpft werden kann, wie auch <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/fake-news-und-informationskompetenz\/\">hier schon mal diskutiert<\/a> wurde.<\/p>\n<p>Damit kommt aber auch das Thema K\u00fcnstliche Intelligenz und der Umgang mit Algorithmen im Rahmen von Informationskompetenz ins Spiel, wobei dies eigentlich auch bei einer <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/infolit-und-andere-literacies\/\">Auseinandersetzung mit Data Literacy<\/a> schon zu implizieren w\u00e4re. Somit hat sich das amerikanische <a href=\"https:\/\/www.projectinfolit.org\">&#8222;Project Information Literacy&#8220;<\/a> jetzt auch <a href=\"https:\/\/www.projectinfolit.org\/algo_study.html\">in einem Report mit Algorithmen besch\u00e4ftigt<\/a>.<\/p>\n<p>Ein weiterer interessanter Aufsatz \u00fcber Algorithmen und Informationskompetenz von Annemaree Lloyd, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1108\/JD-02-2019-0035\">&#8222;Chasing Frankenstein\u2019s monster: Information literacy in the black box society&#8220;<\/a> (Journal of Documentation, 2019, 75(6), 1475\u20131485, <a href=\"https:\/\/discovery.ucl.ac.uk\/id\/eprint\/10075032\/\">Open-Access-Version<\/a>), auch im Report zitiert, ist in der Datei zum <a href=\"https:\/\/www.projectinfolit.org\/uploads\/2\/7\/5\/4\/27541717\/further_reading.pdf\">&#8222;Further Reading&#8220;<\/a> genannt.<\/p>\n<p>Als einen &#8222;leading thinker&#8220; (siehe S. 37-42 dieses Reports) kann man in Deutschland auch die Informatikerin <a href=\"http:\/\/aalab.informatik.uni-kl.de\/gruppe\/zweig\/\">Katharina Zweig<\/a> bezeichnen, die in ihren Texten den Umgang mit Algorithmen erkl\u00e4rt, problematisiert und erl\u00e4utert, wie man beim Umgang die Kontrolle behalten kann. <\/p>\n<p>In ihrem popul\u00e4ren Buch <a href=\"https:\/\/katalog.tub.tuhh.de\/Record\/1665239344\">&#8222;Ein Algorithmus hat kein Taktgef\u00fchl :  wo k\u00fcnstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun k\u00f6nnen&#8220;<\/a> (M\u00fcnchen: Heyne, 2019) fielen mir folgende S\u00e4tze in der Einleitung (vgl. <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Ein-Algorithmus-hat-kein-Taktgefuehl\/Katharina-Zweig\/Heyne\/e561375.rhd\">Leseprobe beim Verlag<\/a>) auf, die sich auf ihr Studium der Biochemie und Bioinformatik  beziehen und bzgl. der wissenschaftstheoretischen L\u00fccke im Studium der Natur- und Ingenieurwissenschaften meine Sicht genau teilen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Und auch hier fehlte allerdings die Statistik. Und in keinem der beiden Studieng\u00e4nge wurden wir in Wissenschaftsthoerie unterrichtet &#8211; eine v\u00f6llig unverst\u00e4ndliche und gef\u00e4hrliche L\u00fccke im Lehrplan fast aller natur[- und ingenieur-]wissenschaftlichen Studieng\u00e4nge, die Fakten produzieren wollen und sollen.&#8220; (S. 12, Zusatz T.H.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Nachdenken \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Informationskompetenz und Fake News regt auch <a href=\"https:\/\/info.sice.indiana.edu\/~roday\/index.html\">Ron Day<\/a> in seinem Konferenzbeitrag <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/pra2.2017.14505401007\">&#8222;Before information literacy [Or, Who Am I, as a subject?of?(information)?need?]&#8220;<\/a> an (Proceedings of the Association for<br \/>\nInformation Science and Technology 57 (2017) 57-60, <a href=\"https:\/\/info.sice.indiana.edu\/~roday\/articles\/Day-2017-Before_Information_Literacy.pdf\">Open Access Version<\/a>).<\/p>\n<p>Zur Problematik von Fake News im Zusammenhang mit wissenschaftstheoretischen Fragestellungen war mir vor Kurzem eine Stelle bei <a href=\"http:\/\/dichtung-digital.de\/cv\/publikationen.htm\">Roberto Simanowski<\/a> aufgefallen. In seinen Buch &#8222;Stumme Medien: Vom Verschwinden der Computer in Bildung und Gesellschaft&#8220; (Berlin: Matthes &#038; Seitz, 2018, <a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/reb-29182\">Rezension 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:0168-ssoar-61877-7\">Rezension 2<\/a>) findet sich Folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>In dieser Situation [Fake News, &#8222;Wunsch nach Gewissheiten&#8220;] hilft wenig, die >falsche< Wahrheit mit der >richtigen< zu bek\u00e4mpfen oder zwei >halbrichtige< zusammenzubringen, [...] Die Konfontation mit einer Gegenmeinung f\u00fchrt eher zur Verh\u00e4rtung, weil diese sogleich als feindlich identifiziert wird und zur Abwehr gemahnt. [...] Das Problem der Falschmeldungen und Hassreden darf sich nicht in der Frage ersch\u00f6pfen, wer die Wahrheit sagt, denn das liefe auf ein antiquiertes Modell von Wahrheit hinaus, wie es sich im Faktencheck als Kl\u00e4rung objektiver Tatsachen nun abzeichnet. Die R\u00fcckkehr zum Positivismus [...] verf\u00e4ngt sich als Erkenntnismethode aber im Ja\/Nein-Dualismus und erneuert so die Illusion einer objektiven Wahrheit.<\/p>\n<p>[&#8230;] Zu den zentralen Begr\u00fcndungselementen demokratischer Herrschaft [&#8230;] z\u00e4hlt die Einsicht, &#8218;dass es in Bezug auf normative Fragen &#8211; und um solche handelt es sich in der Politik &#8211; so etwas wie eine absolute, immer g\u00fcltige >Wahrheit< nicht gibt. [...]' Entscheidend ist [...], das Bewusstsein daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen, dass in politischer, ethischer und religi\u00f6ser Hinsicht mehrere, durchaus einander widersprechende Positionen ihre Berechtigung haben. Die Frage ist viel grunds\u00e4tzlicher zu stellen: Gibt es <em>die<\/em> Wahrheit? [&#8230;]<\/p>\n<p>In der Konsequenz hei\u00dft dies, dass man Falschmeldungen und Hassreden nicht nur am Computerbildschirm bek\u00e4mpft, sondern auch durch eine prinzipielle Diskussion der Frage, was Wahrheit ist und wie wir mit unterschiedlichen Vairianten davon umgehen. Die F\u00e4higkeit, die dieser Ansatz vermitteln will, ist eine doppelte Herausforderung, ohne die Online-Kommunikation auf Dauer nicht funktionieren wird: Man muss sich selbst gegen\u00fcber skeptisch sein und der Gegenposition einr\u00e4umen, auch recht zu haben. [&#8230;] Es gilt, sich auf die Argumente des anderen wirklich einzulassen, [&#8230;]&#8220; (S. 71-73)\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auch in den sogenannten &#8222;harten&#8220; Wissenschaften ist Wahrheit nichts Endg\u00fcltiges, sondern in der Regel nur etwas Vorl\u00e4ufiges bzw. umfasst mit eine gewissen Wahrscheinlichkeit versehene &quot;Tatsachen&quot; (vgl. auch den letzten Teil des oben schon verlinkten Beitrages zu <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/fake-news-und-informationskompetenz\/\">Fake News und Informationskompetenz<\/a> in diesem Blog). Wissenschaft hat auch mit Unsicherheit zu tun (vgl. das Zitat von Peter H\u00f8eg im unteren Teil eines <a href=\"https:\/\/blog.hapke.de\/higher-education\/zur-eigenen-geschichte-und-gegenwart-des-nachdenkens-ueber-wissenschaft-in-der-hochschulausbildung\/\">Beitrags in diesem Blog<\/a>).<\/p>\n<p>Es gibt eben im wirklichen Leben nicht nur die Unterscheidung zwischen 0 oder 1, bzw. falsch oder wahr, was ja eine Grundlage f\u00fcr die Informatik darstellt, sondern auch mehrschichtige Differenzen, Vielfalt und Komplexit\u00e4t. Hier kommt das ins Spiel, was Thomas Bauer in seinem kleinen Buch &quot;Die Vereindeutigung der Welt: \u00dcber den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt&quot; Reclam, 1980) Ambiguit\u00e4tstoleranz nennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktivit\u00e4ten der Informationskompetenz haben oft den Anspruch, dass mit ihr auch Fake News bek\u00e4mpft werden kann, wie auch hier schon mal diskutiert wurde. 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