{"id":343,"date":"2010-03-24T15:03:23","date_gmt":"2010-03-24T14:03:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=343"},"modified":"2010-07-08T14:50:02","modified_gmt":"2010-07-08T13:50:02","slug":"informationkompetenz-plus-%e2%80%93-zur-zukunft-der-bibliotheken-beobachtungen-vom-bibliothekskongress-in-leipzig-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.hapke.de\/information-literacy\/informationkompetenz-plus-%e2%80%93-zur-zukunft-der-bibliotheken-beobachtungen-vom-bibliothekskongress-in-leipzig-2010\/","title":{"rendered":"Informationskompetenz plus \u2013 zur Zukunft der Bibliotheken : Beobachtungen vom Bibliothekskongress in Leipzig 2010"},"content":{"rendered":"<p>Bibliothekskongresse oder Bibliothekartage bieten eigentlich immer eine F&uuml;lle von Anregungen f\u00fcr die eigene Praxis oder Reflexion, nicht anders diesmal mein zweit&auml;giger Besuch des <a href=\"http:\/\/www.bid-kongress2010.de\/\">Bibliothekskongresses in Leipzig<\/a>. Zuf&auml;llig \ud83d\ude0e war ich bei den meisten der Sessions zum Thema Informationskompetenz mit dabei, herausragend dabei diejenige am Mittwoch nachmittag mit Vortr&auml;gen, die das klassisch-bibliothekarische Verst&auml;ndnis von Informationskompetenz weiterdenken. Ein weiteres Highlight war f&uuml;r mich die Frage der Zukunft der Bibliotheken, ein Thema, das sich durchaus mit meinem normalen Schwerpunkt vereinbaren l&auml;sst. Viele der Vortr&auml;ge stehen schon jetzt <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/\">als Folien auf dem BIB-Dokumentenserver zur Verf&uuml;gung<\/a>.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Meine Tage in Leipzig begannen mit dem Besuch der Session &quot;<strong>Hochschulbibliotheken als Partnerinnen der Lehre<\/strong>&quot;, die das Thema Informationskompetenz relativ klassisch behandelte. <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/832\">Jens Renner positionierte das Thema Informationskompetenz an der Hochschule in Ansbach<\/a>, indem die Bibliothek als eine Art Hilfspolizist agiert, um im Rahmen eines Serviceangebotes an Lehrende Plagiate aufzudecken. Ob dies einem positiven Image der Bibliothek bei ihren Hauptkunden, den Studierenden, zutr&auml;glich ist, erscheint mir fragw&uuml;rdig. Festzuhalten ist dabei aber, dass den Studierenden so zumindest sehr drastisch die Relevanz des Themas Plagiate bewusst wird. Festzuhalten ist auch, dass der <strong>Umgang mit Plagiaten als Teil von Informationskompetenz<\/strong> zu sehen ist und Bibliotheken gut daran tun, sich mit dem Thema zu besch&auml;ftigen. Ins Bild passte f&uuml;r mich auch, dass in Ansbach ohne den Besuch einer Erstsemester-Einf&uuml;hrung die Studierenden keinen Bibliotheksausweis bekommen. Alles, wie ich finde, sehr drastische Methoden, aber manchmal hilft vielleicht nichts Anderes!? \ud83d\ude0e<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/897\">Thomas St&ouml;ber aus Augsburg betonte die <strong>Bedeutung von Serviceangeboten zur Literaturverwaltung<\/strong><\/a> im Rahmen des Kerngesch&auml;fts einer Bibliothek. Dabei ist dieser tool-bezogene Ansatz ein guter Einstieg, um als Bibliothek auf das Thema Informationskompetenz aufmerksam zu machen. Es sollten nach St&ouml;ber  nicht nur kommerzielle Werkzeuge ber&uuml;cksichtigt werden. Auch Themen wie Hochschulbibliographie und das gesamte Publikationsmanagement einer Universit&auml;t k\u00f6nnen als Teil des Themas betrachtet werden. Sichtbar wurde im Beitrag von St&ouml;ber eine w&uuml;nschenswerte Integration von Bibliotheksservice einschlie&szlig;lich Informationskompetenz-Aktivit&auml;ten in den gesamten Lern- und Forschungsprozess. St&ouml;ber sprach von einer Vision des &quot;Digitalen Schreibtisches&quot; und pr&auml;sentierte auch die Ergebnisse seiner Umfrage zur Literaturverwaltung als Bibliothekservice.<\/p>\n<p>Nach einer <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/836\">Vorstellung der Integration der IK-Module der UB W&uuml;rzburg  in die Studieng&auml;nge an der Universit&auml;t durch Jens Ilg<\/a> stellte <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/880\">Fabian Franke, Bamberg, die IK-Leitlinien<\/a> des Bibliotheksverbundes Bayern vor. Diese sind <a href=\"http:\/\/www.zlb.de\/aktivitaeten\/bd_neu\/heftinhalte2009\/Informationsvermittlung020709BD.pdf\">schon publiziert<\/a>, und <strong>IK-Standards<\/strong> (<a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=248\">meine Sicht darauf<\/a>) scheinen auch in die allgemeine Diskussion um Bildungsstandards zu passen. In der Diskussion wurde erw&auml;hnt, dass das Thema Impact, also die Wirkung von Informationskompetenz-Aktivit&auml;ten, in Gro&szlig;britannien sehr wichtig ist. Der <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/826\">Beitrag von Winfried S&uuml;hl-Strohmenger<\/a> wies darauf hin, dass <strong>IK-Aktivit&auml;ten Personal, Zeit und Geld kosten<\/strong>. Die spannende Frage allerdings, wie man mit solchen Aktivit&auml;ten (neue) Stellen begr&uuml;nden k&ouml;nne und wie dies in offizielle Personalbedarfsberechnungen einfliessen k&ouml;nnten, blieb f&uuml;r mich offen. Gerade Personalbedarfsberechnungen gr&uuml;nden noch immer auf klassischen Bibliothekst&auml;tigkeiten und die Begr&uuml;ndung f&uuml;r meine eigene Stelle zum Beispiel basiert zu ca. 60% darauf, wieviel gedruckte Medien ich &quot;erwerbe und erschlie&szlig;e&quot;, eine T&auml;tigkeit, die real maximal 20 % meiner Zeit ausmacht. Immerhin hat in Baden-W&uuml;rttemberg der Rechnungshof wohl 12% Schulungst&auml;tigkeiten f&uuml;r Fachreferenten als angemessen betrachtet, ein nat&uuml;rlich viel zu kleiner Schritt.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Annemarie Nilges aus D&uuml;sseldorf griff das Totschlag-Argument gegen jegliche IK-Aktivit&auml;ten von Bibliotheken auf, dass diese zun&auml;chst ihre Zeit darin investieren sollten, ihre eigenen Informationsressourcen und Kataloge zu verbessern, um mehr &quot;<strong>Informationsleichtigkeit<\/strong>&quot; zu schaffen, wie es in der Diskussion nach dem Vortrag von S&uuml;hl-Strohmenger hie&szlig;. Nilges schlug vor, das Wissen um Suchstrategien in die Ausgestaltung von Suchinstrumenten einzubringen. Das analytisch-systematische Informationsverhalten der Bibliothekarinnen passt selten zum kumulativ-entdeckenden von Kunden, die oft hier eine Art Schneeball-System nutzen. Bibliotheken sollten verst&auml;rkt mit Datenbanken basierend auf einem Relevanz-Ranking bei ihren IK-Schulungen beginnen, z.B. auch mit Google Scholar. Meiner Meinung nach sollte hier dann aber auch ein Verstehen, wie Relevanz Ranking funktioniert und welche Grenzen es hat, Teil der Aktivit&auml;ten sein. &Auml;rgerlich fand ich dann, dass dann von den D&uuml;sseldorfern als Beispiel f&uuml;r einen neuen Bibliothekskatalog das sicher nicht schlechte, aber kommerzielle Produkt Primo vorgestellt wurde. Ich konnte mir dazu einen Hinweis auf andere nicht-kommerzielle <a href=\"http:\/\/katalog2null.wordpress.com\/\"><strong>Web 2.0-Kataloge<\/strong><\/a>, wie <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/bibliothekartage\/2010\/F.html\">Beluga, den KUG oder VuFind<\/a> nicht verkneifen, die am selben Tag auch in einer von mir leider nicht besuchten Session vorgestellt wurden.<\/p>\n<p>Am Nachmittag fand dann eine vom <a href=\"http:\/\/www.gesig.org\/\">Forum Zeitschriften \/GeSIG e.V.<\/a> organisierte Session zur Zukunft der Bibliotheken statt, die meine Erwartungen weit &uuml;bertraf. Im ersten von mir nicht vollst&auml;ndig beigewohnten Vortrag von Barbara Lison zur Bedeutung strategischer Lobby-Arbeit von Bibliotheken wurde die Wichtigkeit von Impact-Forschung in der Diskussion erneut betont. Steffen Wawra schlug dann in seinem Vortrag mit dem Titel &quot;<strong>Die Bibliothek der Zukunft<\/strong>&quot; einen faszinierenden Bogen von der Sicht der Vergangenheit auf Bibliotheken und Informationstechnik von heute &uuml;ber die Bedeutung von Zukunftsforschung zu aktuellen Leitlinien zur Bibliothekszukunft aus seiner Sicht. Eingepr&auml;gt hat sich mir das Bild von Fr&ouml;schen, die \u00fcber das Austrocknen ihres Teiches diskutieren. Auch das Nachdenken &uuml;ber die Analogien und den Vergleich zwischen Banken und Bibliotheken erschien mir interessant, war mir doch eher die vergleichende Betrachtung der Entwicklung von Journalismus und Bibliothekswesen gel&auml;ufig. F&uuml;r Wawra sind synthetische Informationsdienstleistungen als neue Wissenswerkzeuge wichtiger als IK-Aktivit&auml;ten, eine Art Schwarmintelligenz n&ouml;tig, um Bibliotheken in Lern- und Forschungszyklen zu integrieren (embedded library and partnerships), aber auch die Themen Deep Web und Bibliothek als Raum und Ort bleiben wichtig! Wawra erw&auml;hnte auch das <a href=\"http:\/\/actualites.epfl.ch\/presseinfo-com?id=877\">Rolex Learning Center<\/a> der <a href=\"http:\/\/www.epfl.ch\/index.en.html \">Ecole Polytechnique F\u00e9d\u00e9ral de Lausanne<\/a>, zu dem vor kurzem auch ein interessanter Zeit-Artikel (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/10\/Architektur\">Ausgabe 10, 2010<\/a>) mit dem Titel &quot;Freies Schweifen&quot;, erschienen ist (der aber bisher wohl leider <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/10\/index\">nicht online<\/a> ist). Der Vortrag enthielt eine F&uuml;lle von Hinweisen (basierend auf dem Aufsatz von <a href=\"http:\/\/www.vs.inf.ethz.ch\/publ\/papers\/mattern2007-zukunft.pdf\">Friedemann Mattern &quot;Hundert Jahre Zukunft \u2014 Visionen zum Computer- und Informationszeitalter&quot;<\/a> in: Die  Informatisierung  des  Alltags  : Leben  in  smarten  Umgebungen  \/ edited  by  Friedemann  Mattern. Berlin: Springer, 2007, S. 351-419) auf historische Visionen z.B. auf Albert Robida (1848-1926), der &auml;hnlich &#8211; wie <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?s=otlet\">Paul Otlet<\/a> und auch <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?s=ostwald\">Wilhelm Ostwald<\/a> &#8211; durchaus heutigen Alltag antizipierte.<\/p>\n<p>Danach folgte eine fantastische Show des Niederl&auml;nders Eppo van Nispen aus Delft, der mit Dutzenden von Folien die Zukunft von Bibliotheken aus seiner Sicht pr&auml;sentierte.<\/p>\n<p>Die zweite Session zur Informationskompetenz am Dienstag, den 16.3.2010, in Leipzig bestand im Wesentlichen aus <strong>drei Berichten aus Nordamerika<\/strong>. <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/825\">Tatian Usova aus dem kanadischen Edmonton in Alberta<\/a> stellte Bibliotheksaktivit&auml;ten zur Unterst&uuml;tzung des Lernens und Lehrens vor, die auch Online Tutorials, Library Subject Guides, Social Software Tools und Spiele mit einschlossen. Kate Brooks aus Minneapolis betonte die <strong>Rolle des Personal Information Management als Informationskompetenz-Ankn&uuml;pfungspunkte<\/strong> f&uuml;r Bibliotheken, griff damit quasi das Thema Literaturverwaltung aus der oben erw&auml;hnten Session auf. Thea Lindquist aus Boulder, Colorado, beschrieb den Umgang mit \u201emillennials\u201c im Rahmen der &quot;undergraduate education&quot;, das <a href=\"http:\/\/www.colorado.edu\/pwr\/\">&quot;Program for Writing and Rhetoric&quot; der University of Colorado<\/a> und das auch ins Spanische &uuml;bersetzte Online Tutorial RIOT. <strong>Disziplinspezifische Dienstleistungen spielen auch hier eine gro\u00dfe Rolle<\/strong>, wenn z.B. f&uuml;r Seminare spezielle Bibliotheks-Sessions und Resource Pages angeboten werden. Insgesamt zeigten diese Beitr&auml;ge, dass in Nordamerika die Kolleginnen bei allen in der Regel vorhandenen gr&ouml;&szlig;eren Ressourcen und einer allgemein besseren Wertsch&auml;tzung f&uuml;r Bibliotheken auch nur mit Wasser kochen. <\/p>\n<p>Eine spannende Diskussion h&auml;tte der einzige deutsche Beitrag in dieser Session ergeben k&ouml;nnen, wenn mehr Zeit gewesen w\u00e4re, ein Problem aller Sessions. Warum beschr&auml;nkt man die Redezeit f&uuml;r alle Vortr&auml;ge nicht generell auf 15 Minuten und l&auml;sst dann Zeit f&uuml;r ausreichende Diskussionen!? <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/818\">Anke Wittich aus Hannover stellte ihr Konzept zum Lehren der Vermittlung von Informationskompetenz vor<\/a>, erw&auml;hnte dabei als Lerninhalt die &quot;Definition von Informationskompetenz&quot; und wurde dann von einem amerikanischen Kollegen darauf hingewiesen, dass <strong>Informationskompetenz eigentlich kein methodisches Werkzeug darstelle, sondern &quot;a critical attitude&quot;<\/strong>. Auch f&uuml;r mich gibt es nicht eine Definition von Informationskompetenz, sondern diese wird von vielen Menschen durchaus unterschiedlich erfahren, so dass hier der relationale Ansatz von Christine Bruce eher zielf&uuml;hrend w&auml;re (siehe auch ihr Beitrag in der <a href=\"http:\/\/www.ics.heacademy.ac.uk\/italics\/vol5iss1.htm\">Zeitschrift Italics 2006<\/a>). Es geht nicht nur um den kritischen Umgang mit Information, sondern auch um kritische Reflexion dar&uuml;ber, wie in Bibliotheken Arbeitende Informationskompetenz sehen, vor allem dann, wenn man diese auf ihren Beruf vorbereitet.<\/p>\n<p>Die hier m&ouml;glich gewesene Diskussion bereitete im Prinzip schon die oben schon erw&auml;hnte Session am Mittwoch nachmittag vor, die ein <strong>Vorw&auml;rtsdenken zum Konzept Informationskompetenz<\/strong> unterst&uuml;tzte. <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/frontdoor.php?source_opus=958\">Olaf Eigenbrodt pl&auml;dierte in seinem vielschichtigen Beitrag<\/a> f&uuml;r ein Bewusstsein der Vielfalt von Informationskompetenz sowie deren Integration in das bibliothekarische Denken zum gesamten bibliothekarischen Serviceangebot, wie es schon <a href=\"http:\/\/blog.hapke.de\/?p=210\">Oliver Sch&ouml;nbeck auf dem Bibliothekartag vonr zwei Jahren in Mannheim<\/a> getan hatte. F&uuml;r ihn sind die wichtigsten Informationskompetenz-F&ouml;rderer die Auskunftsbibliothekare. Bibliotheksservices m&uuml;ssen mehr &quot;embedded&quot; in Forschungs- und Lernprozesse sein, der &quot;teachable moment&quot;, einer meiner Lieblingsbegriffe 8-), muss abgewartet und erkannt werden. Schulungsr&auml;me d&uuml;rfen nicht wie Klassenzimmer in der Schule aussehen!!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/851\/\">Philipp Stalder aus Z&uuml;rich<\/a> sah Informationskompetenz ebenfalls viel globaler, als es in Schulungsprogrammen von Bibliotheken vorkommt: <strong>Verwendung, Verantwortung und Bewertung von Information ist ebenso Teil von Informationskompetenz<\/strong>, die in der Regel sehr fachbezogen zu entwickeln sei. Stalder erw&auml;hnte die Gefahr eines Information Literacy Fatigue Syndromes bei Kunden und bei BibliothekarInnen! <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/945\/\">Christine Gl&auml;ser<\/a> ging dann auf Informationskompetenz im digitalen Kontext ein, wobei allgemeiner der <strong>Kontext insgesamt bei Informationskompetenz-Aktivit&auml;ten wichtig<\/strong> ist. Ihr ganzheitlicher Ansatz (in ihrem Vortrag tauchte dann auch der Begriff <strong>Informationskompetenz+<\/strong> auf!) schloss neben der Technik auch die R&auml;ume (mit von ihr vorgestellten <strong>Best-Practice-Lernr&auml;ume<\/strong>n) sowie das Soziale mit ein. Ein Beispiel dieser Lernr&auml;ume stellt Learning Grid der University of Warwick da, das ein <a href=\"http:\/\/w4.ub.uni-konstanz.de\/ba\/article\/view\/3188\">Bericht in der Konstanzer Bibliothekszeitschrift Bibliothek mit dem Titel &#8218;Learning Grid und Teaching Grid : Lernen und Lehren an der Bibliothek der University of Warwick&#8216; von Maren Kr&auml;hling<\/a> beschreibt. Beschrieben sind hier Aktivit&auml;ten einer Bibliothek, die das Lernen an der Universit&auml;t in Hinblick auf Studierende und Lehrende unterst&uuml;tzt, ein Traum! \ud83d\ude0e Mir ist beim Lesen dieses Texte nochmals bewusst geworden, dass Innovation unterst&uuml;tzen immer auch heisst, etwas Neues auszuprobieren, wobei dies auf die Person bezogen immer meint, &quot;neu f\u00fcr einen selbst&quot;.<\/p>\n<p>In der Diskussion wurde dann gar ganz <strong>klassische Kritik<\/strong> (ja, auch diese gibt es immer noch!) zum Thema Informationskompetenz ge&auml;ussert, diese sei ein weiterer Schritt zur Durchp&auml;dagogisierung des Alltags und Entm&uuml;ndigung der Menschen, die bis zur Infantilisierung gehe. Bibliotheken h&auml;tten f&uuml;r so etwas keine Zeit und m&uuml;ssten sich auf ihr &quot;Kerngesch&auml;ft&quot; konzentrieren. Dass dieses in Gefahr ist, immer mehr wegzubrechen (R&uuml;ckgang der Ausleihzahlen an gedruckten Medien, weniger Erwerbungsvorg&auml;nge wegen Konsortiall&ouml;sungen, mehr Selbstbedienungsfunktionen f&uuml;r Kunden z.B. durch RFID, &Uuml;bernahme von Erschliessungs- und Ordnungsarbeiten durch studentische Besch&auml;ftigte usw.) wird dabei &uuml;bersehen. Die Unterst&uuml;tzung von Forschenden und Lernenden als Dienstleistung von Bibliotheken ist das Kerngesch&auml;ft!<\/p>\n<p>Was gab es sonst noch Interessantes, was mir aufgefallen ist?<\/p>\n<p>Ich habe mir die Session &quot;Bibliotheken als Akteure im <strong>Forschungsdatenmanagment<\/strong>&quot; angeh&ouml;rt. Jan Brase von der TIB Hannover brachte in seinem Vortrag einen sch&ouml;ne Defintion des Kataloges als &quot;Portal in einem Netz aus vertrauensw&uuml;rdigen Anbietern von wissenschaftlichen Inhalten&quot;. Forschungsdaten (<a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/bibliothekartage\/2010\/E.html\">Vortr&auml;ge in Leipzig<\/a>) werden teilweise als wichtiger angesehen als darauf beruhende textliche Arbeiten, die eventuell veralten, w&auml;hrend die Daten eher weiterhin zitiert werden. Neu sind nicht der Umgang mit Forschungsdaten, den gab es auch fr&uuml;her, sondern deren Aufbereitung (Metadaten, Identifier), Ver&ouml;ffentlichung und die Datenmengen, die dahinter stehen. Einen faszinierenden Einblick in die Vernetzung diversester Forschungsdaten (Fotos, Objekte, Archiv-Materialien etc.) gab Sabine Th&auml;nert vom Deutschen Arch&auml;ologischen Institut. Auch die OPUS-Dokumentenserver-Software wird in Zukunft eine Fiorschungsdaten-Komponente besitzen, wie <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/923\/\">Matthias Schulze aus Stuttgart<\/a> mitteilte. Forschungsdaten k&ouml;nnen heutzutage auch ganze Experimente und Laborumgebungen sein! <a href=\"http:\/\/www.opus-bayern.de\/bib-info\/volltexte\/2010\/920\/\">Olaf Siegert aus Kiel<\/a> erw&auml;hnte dann auch Problembereiche bei Forschungsdaten. So geben im Wirtschaftsbereich nur wenige Wissenschaftler aus Konkurrenzgr&uuml;nden ihre Daten frei, es gibt Urheberrechtsprobleme, sogar Lizenzprobleme.<\/p>\n<p>Zwei Vortr&auml;ge der <a href=\"http:\/\/zukunftswerkstatt.wordpress.com\/\"><strong>Zukunftwerkstatt<\/strong><\/a> konnte ich noch besuchen. Am Stand der Zukunftswerksttatt war <a href=\"http:\/\/www.tub.tu-harburg.de\/blog\/2010\/03\/03\/ebook-ueber-ebooks\/\">das eBook vom eBook-Kolloquium der TUHH-Bibliothek<\/a> auf diversen eBook-Readern zu begutachten! Lambert Heller f&uuml;hrte mit einem <a href=\"http:\/\/www.slideshare.net\/lambo\/vortrag-zukunftswerkstatt-bid-2010\/\">Thesenpapier und praktischen &Uuml;bungen in Mikroformate wie COinS<\/a> ein. Anne Christensen berichtete von <a href=\"http:\/\/www.slideshare.net\/xenzen\/der-bibliothekskatalog-30-oder-metadaten-aus-bibliotheken-als-linked-open-data\/\">Linked Open Data<\/a>, ein Vortrag, der <a href=\"http:\/\/log.netbib.de\/archives\/2009\/12\/20\/freie-metadaten-kein-thema-fur-den-bibliothekskongress\/\">vom Programmkomitee abgelehnt<\/a> worden war.<\/p>\n<p>Bei der Podiumsdiskussion &quot;Dienstleistung trifft Zukunft&quot;, bei der die <a href=\"http:\/\/www.bibliotheksverband.de\/fachgruppen\/kommissionen\/dienstleistung.html\">Dienstleistungskommission des dbv<\/a> und die <a href=\"http:\/\/zukunftswerkstatt.wordpress.com\/\">Zukunftswerkstatt<\/a> zusammentrafen, wurde betont, dass Bibliotheken in den heutigen Informations- und Kommunikationsumgebungen ihre Inhalte mit dem Label &quot;Information you can trust&quot; als &quot;Konkurrent unter Konkurrenten, als Partner unter Partnern&quot; anbieten m&uuml;ssen. Nicht-Nutzer-Analysen seien wichtig. Aber auch kritische Fragen nach der M&ouml;glichkeit die Fast-Foodisierung zu vermeiden wurden gestellt. Unabh&auml;ngig von der dahinter steckenden Technologie, sei die gelebte Kultur der Kommunikation, des Teilens und Austauschens, das was auch f&uuml;r Bibliotheken relevant ist. Obwohl man den missionarischen Eifer, einen Schuss von Naivit&auml;t und Kritiklosigkeit mancher Akteure der Zukunftswerkstatt sicher auch kritisch sehen kann, &uuml;berwiegen f&uuml;r mich eindeutig die positiven Anregungen f&uuml;r das Bibliothekswesen. Dazu passt der Titel einer Pr&auml;sentation von Karen Blakeman, auf den <a href=\"http:\/\/information-literacy.blogspot.com\/\">Sheila Webber in ihrem Blog<\/a> gerade hingewiesen hat: &quot;<a href=\"http:\/\/www.slideshare.net\/KarenBlakeman\/clsig-debate-web-2-the-truth-behind-the-hype\">Web 2.0: the truth behind the hype<\/a>&quot;.<\/p>\n<p>In der Diskussion mit in Bibliotheken Arbeitenden sind oft zwei Haupt-Ansichten zu beobachten, die einen pl&auml;dieren daf&uuml;r, dass sich Bibliotheken an ihre Kunden anpassen, in deren Umgebungen pr&auml;sent sind und sich &ouml;ffnen, die anderen sehen bei den Bibliotheken eine Art von Alleinstellungsmerkmal und reagieren so selbstbewusst, dass die Kunden ja auf diese in manchen Bereichen angewiesen sind und deshalb auf jeden Fall kommen, auch wenn vielleicht nur der sogenannte &quot;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Long_Tail\">long tail<\/a>&quot; bedient wird. Ich denke beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung, Bibliotheken k&ouml;nnen durchaus auch selbstbewusst ihre Rolle verteidigen. Jedoch ist der Druck bei kleineren wissenschaftlichen Bibliotheken und im Bereich der &Ouml;ffentlichen Bibliotheken sicher gr&ouml;&szlig;er. Gerade diese k&ouml;nnen sich nicht mehr als Pal&auml;ste sehen, sondern m&uuml;ssen versuchen, in Kundenn&auml;he Zelte aufzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bibliothekskongresse oder Bibliothekartage bieten eigentlich immer eine F&uuml;lle von Anregungen f\u00fcr die eigene Praxis oder Reflexion, nicht anders diesmal mein zweit&auml;giger Besuch des Bibliothekskongresses in Leipzig. 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